Berlepsch-Ellerode, Schloss Berlepsch

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Infobox
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Entstehungszeit: 14. Jh.
Baumaßnahme: 14. Jh. Gesamtanlage, 16. Jh. Umbauten, 1894-98 Erneuerung
Bauherr: von Berlepsch, Architekt Gustav Schönermark
Eigentümer: von Berlepsch
Ort: Witzenhausen, Berlepsch-Ellerode-Hübenthal
Kreis: Werra-Meißner-Kreis
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Von Berlepsch. Werra-Meißner-Kreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Baumaßnahmen fanden im 14. Jh. (Gesamtanlage) und im 16. Jh. (Umbauten) statt. 1894-98 erneuerte Architekt Gustav Schönermark für Hans und Karl von Berlepsch das Schloss.

Geschichte

1369 von Arnold von Berlepsch den Landgrafen von Hessen zu Lehen aufgetragen. 1458 erhielt Arnold von Berlepsch, wie zuvor schon Arnold, das Erbkämmereramt des Landgrafen.

Baugeschichtliche Bedeutung

Die Gesamtanlage umschließt mit drei Flügeln einen engen Innenhof. Der leicht schiefwinklige und mit kräftigen Außenmauern versehene Wohnbau im Westen wird durch einen polygonalen Treppenturm im Hofwinkel erschlossen, der als Hauptturm bergfriedartig über das Dach hinausgeführt ist. Der Wohnbau selbst ist spätmittelalterlich, während der Treppenturm 1593 entstand (Zietz, DTH Werra-Meißner-Kreis III, 1995, S. 599), etwa gleichzeitig dürfte auch der verbindende Südflügel entstanden sein. Der östliche Parallelflügel hat einen zweiten eigenen Treppenturm neben dem Tor in den Innenhof, ursprünglich gab es hier einen abschließenden Torflügel. Über zwei Massivgeschossen folgt ein Fachwerkgeschoss, das Bruchsteinmauerwerk ist heute unverputzt.

Um einen engen Innenhof gruppieren sich drei Flügel, im Uhrzeigersinn vom Tor aus gesehen ein Nordwestflügel, ein Nordostflügel und ein Südostflügel. An der Südwestseite befindet sich eine eingeschossige Abschlussmauer des Hofes mit einem spitzbogigen Tor in den Hof hinein. Über dem Tor befinden sich die Reste einer Datierung „ANNO DOMINI MCCCC.XXIX (?)”. Rechts der Inschrift ist ein verwittertes Wappen erhalten, links hat es vielleicht ein weiteres gegeben. Die Tormauer ist mit dem Sockelgeschoss des Nordwestflügels verzahnt, scheint aber nachträglich gegen den Südostflügel gegengesetzt zu sein. Der Nordwestflügel dürfte ein historistischer Neubau sein, er hat an der Seite zum Tor und an der Seite zum Südostflügel jeweils einen polygonalen Vorbau. An der Seite zum Tor ist es ein Treppenturm, datiert 1885. Der Vorbau an der Seite zum Südostflügel ist datiert 1894. Die Fenster in den vier Stockwerken des Nordwestflügels sowie in den fünf Stockwerken des Nordostflügels gehören dem 19. Jh. an und zeigen spätgotische beziehungsweise Frührenaissanceformen. Der Südostflügel ist fünfgeschossig und hat zum Hof hin eine leicht gebogene Front. Seine Doppelfenster (1. Obergeschoss) beziehungsweise Einzelfenster sind renaissancezeitlich, mit Falz und Karnies profiliert. Im Erdgeschoss rundbogiges Portal, wie zu einem Kellerraum oder Sockelgeschoss üblich. In diesem Fall handelt es sich um den Kellerzugang. Der Treppenturm im Winkel zwischen dem Nordost- und dem Südostflügel ist polygonal und hat fünf Geschosse des 16. Jh. sowie eine zweigeschossige Aufstockung des späten 19. Jh. Das Portal hat verkröpfte Pilaster, der Rundbogen wird durch zwei Volutenkonsolen eingefasst, das Gebälk ist 1595 datiert. Die Fenstergewände sind schräg geschnitten entsprechend dem Treppenverlauf im (Uhrzeigersinn), die abgeschrägte Kante ist mit Medaillons und kleinen Diamantquadern im Wechsel verziert. Gesimse teilen den Treppenturm über dem ersten und über dem dritten Obergeschoss. Die Fenster des obersten Geschosses sind waagerecht, wir haben es dort ursprünglich mit einer abschließenden Kammer zu tun gehabt. Im ursprünglichen Zustand hatte der südöstliche Hauptflügel ebenso wie der nordöstliche Nebenflügel balkengedeckte Räume. Der nordöstliche Nebenflügel wurde Ende des 19. Jh. auf die doppelte Tiefe verbreitert.

Das spitzbogige Tor zum Hof war lediglich durch zwei Drehflügel zu schließen (ähnlich den heutigen klassizistischen Flügeln), die obere Verankerung der Torhalme ist noch erhalten. Im obersten ursprünglichen Geschoss des Treppenturmes gibt es noch eine mit Beschlagwerk verzierte Innentür. Das Schloss ist im Abstand von ca. 5–10 Metern von einer Ringmauer mit Halbrundbollwerken versehen. Teilweise ist ein Wehrgang an der Ringmauer noch erkennbar.

Himmelsrichtungen: Der Hauptwohnbau befindet sich vereinfacht im Westen, der schmalere Wohnbau im Süden, der historistische Wohnbau im Osten und das Tor im Norden.

Halbrundbollwerke gibt es an der Südwestseite, mit Schlüssellochschießscharten und breiten Schussnischen in zwei Geschossen. Von diesem Tor an beginnt eine weiträumige Zwingermauer, die das Schloss im Westen und Norden umgibt und im Nordosten in einen weiteren Halbrundturm mündet, der dreigeschossig ist und außen neben das äußere Tor gestellt wurde. Im obersten Geschoss hat er einen Aborterker. Auf der Seite zum Schloss befindet sich neben dem äußeren Tor ein etwa quadratischer zweigeschossiger Bau, in dessen Außenmauer zum Hof hin mehrere Steine eingelassen wurden, 1585, 1699 und 1881 datiert. Der Bau dürfte tatsächlich 1585 als Torhaus entstanden sein, 1581 wurde die Mauerkrone hergestellt.

Auf der Ostseite ist das Sockelmauerwerk vermutlich spätmittelalterlich, zwei durchfensterte Geschosse gehören zu dem Neubau des historistischen Wohnflügels. Ein zusätzlicher Erkerturm wurde um 1890 in diesen inneren Zwingerbereich zwischen Kernburg und innere Ringmauer gesetzt. Die innere Ringmauer ist an der Südostecke gerundet und auf Höhe des Wehrgangs mit zwei Schlüssellochschießscharten versehen. Daneben befindet sich nach Süden wiederum ein Halbrundturm. Neben der gerundeten Ecke setzt an der Ostseite der äußere Zwinger an, dessen entgegengesetztes Ende eben beobachtet wurde, und bildet das äußere Schlosstor aus dem späten 16. Jh. Insgesamt wird die Kernburg also von einer inneren Zwingermauer sowie auf der Ost, Nord- und Südseite von einer zusätzlichen äußeren Zwingermauer eingefasst. Südlich ist der inneren und hier einzigen Zwingermauer eine Terrasse vorgelagert, die vielleicht früher stärker befestigt war; sie führt in den Halsgraben.

Literatur, Quellen

Reimer, Ortslexikon, 1926, S. 39

Brauns, Berlepsch, 1954

Gallwitz, Berlepsch, 1956

Dehio, Hessen, 1982, S. 79

Zietz, DTH Werra-Meißner-Kreis III, 1995, S. 597-601