Frankenberg-Viermünden, Schloss

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Infobox
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Entstehungszeit: 15. Jh.
Baumaßnahme: 3. Viertel 16. Jh. Ausbau,
17. Jh. Erneuerungen,
1677 zweiter Flügel der Landgrafen von Hessen,
1981 Renovierung
Bauherr: Herren von Dersch zu Viermünden
Eigentümer: Privatbesitz
Ort: Frankenberg, Viermünden
Kreis: Waldeck-Frankenberg
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Gut Viermünden. Privatwohnung. Kreis Waldeck-Frankenberg.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Herren von Dersch zu Viermünden. Bauteile wohl 15. Jh., Ausbau unter den Dersch im 3. Viertel des 16. Jh. Erneuert im 17. Jh., zweiter Flügel der Landgrafen von Hessen von 1677. Renovierung 1981.

Geschichte

Das schon im 11. Jh. genannte Gericht gelangte im 14. beziehungsweise 15. Jh. je zur Hälfte an die Familien von Viermünden und von Dersch. Lehnsherren waren die Landgrafen von Hessen und die Grafen von Nassau. 1575 wurden durch Gerichtsentscheid die Landgrafen alleinige Lehnsherren und brachten 1588 den Anteil der von Viermünden an sich, 1717 auch den Anteil derer von Dersch.

Baugeschichtliche Bedeutung

Zwei parallele Flügel seitlich eines Hofes, durch die Tormauer mit einem klassizistischen Tor verbunden. Der östliche (von der Straße aus rechte) Flügel ist rechteckig, die Fenster waren ursprünglich gekuppelte Zwillingsfenster. Der straßenseitige Teil dieses Flügels ist durch eine Bauinschrift auf 1677 datiert. Im rückwärtigen Bauteil Rundbogentor von 1699.

Der parallele westliche (Haupt-) Flügel ist zweigeschossig und besteht aus einem vorderen breiten und einem rückwärtigen schmaleren Bauteil. Zur Straße hin hat er einen zur Hälfte vortretenden zweigeschossigen Rundturm, rückwärtig einen kleinen Rundturm. Beide Bauteile sind größerenteils massiv, das Obergeschoss zum Hof hin aus Fachwerk, beim rückwärtigen Bauteil ist zur Hälfte das gesamte Obergeschoss aus Fachwerk. Fachwerk zum Hof vier Gefache hoch, Streben mit Kopfknaggen, Fußbänder. Im Erdgeschoss zwei gekuppelte Doppelfenster links, rechteckiger Hauseingang und drei gekuppelte Doppelfenster rechts, Fenster z. T. vermauert, mit Falz versehen. Über dem Hauseingang Zwerchgiebel, Fachwerk verschiefert. Der Bauteil ist im Erdgeschoss durch eine Eckquaderung nach Norden (rechts) abgegrenzt, der hintere Bauteil beginnt mit einer segmentbogigen Einfahrt. Über dem Erdgeschoss schließt ein steinernes Karniesgesims beide Bauteile ab, die Schwelle des Obergeschosses ist profiliert, die Füllhölzer sind viertelkreisförmig.

Giebelseitig tritt zur Hälfte ein runder zweigeschossiger Turm vor. Im Erdgeschoss links neben dem Turm befindet sich ein rechteckiges Fenster, mit Fase profiliert, auf dem Sturz zwei Köpfe, der eine ein Narr, der andere zieht eine Grimasse (‚Neidköpfe‘), eine Blendmaßwerkrosette (rechtswendiger Dreischneuß) und Steinmetzzeichen, 1. Hälfte bis Mitte 16. Jh. Auf der Rückseite unregelmäßige Fensteraufteilung, die Fenster weitgehend erneuert (Backsteingewände), ein (verbreitertes) Fenster mit Fase profiliert, es befindet sich neben dem Aborterker, der im 1. Obergeschoss vorkragt. Der vorderste Raum im Erdgeschoss hat als Küche gedient. Hier ist auch im Innern der Rundturm zu sehen, mit einer in den Raum weisenden Schießscharte.

Die Fachwerkfront ist vier Gefache hoch, hat gerade Fußstreben und Kopfknaggen sowie Fußbänder. Die Schwelle ist mit Karnies profiliert, ferner mit Fasen zwischen den Balkenköpfen. Füllhölzer viertelkreisförmig. Eine Datierung des Fachwerks um 1600 ist nicht auszuschließen, um 1680 jedoch weitaus wahrscheinlicher. Mittig zeigt sich eine Baufuge, der zufolge der südliche Gebäudeteil mit dem Halbrundturm älter ist, der hintere etwas jünger. Dieser hintere Teil hat zwar die gleichartige Profilierung des Stein- und des Fachwerkgeschosses. Dennoch gibt es eindeutig eine Ecke mit Quaderkante, Gratstickbalken und Eckständer, also eine eigene Bauphase. Das Fachwerk der Erweiterung ist insgesamt etwas dünner. Die Fenster des älteren Teiles haben Falz, die des jüngeren unprofilierte Gewände. Der hintere Bauteil ist schmaler und seinerzeit in zwei Phasen angefügt worden, zunächst in einer Länge von zwei Gebinden (dann Eckständer und Eckprofil des Steingeschosses), dann nochmals in zwei Gebinden, die nochmals im Fachwerk etwas dünner werden und in der Profilierung leicht abweichen. Der vordere Teil des Gebäudes, der breitere, hat nach Westen einen Aborterker, ursprünglich gab es wohl noch einen zweiten.

An den rückwärtigen Anbau fügt sich nordwestlich ein eingeschossiger Rundturm an, mit Maulscharten nach den Hauptrichtungen, Mitte 16. Jh. Das Nachlassinventar von 1579 gibt Rabe von Dersch und dessen Sohn Georg (gestorben 1557 beziehungsweise 1575) als Bauherren an (Battefeld, Viermünden, 1994, S. 10). Das von Battefeld (1994, S. 11 ff.) summarisch wiedergegebene Inventar gibt für das Hauptgebäude sieben ofenbeheizte Stuben und sieben Kammern an. Grundsätzlich ist also von einer Appartementgliederung auszugehen. Eine der Stuben wird als Schreiberstube bezeichnet, im Turm befand sich ein Gefängnis; es ist also von einer Amtsverwaltung und (niederen) Gerichtsbarkeit auszugehen.

Würdigung

Die in der Literatur genannte Datierung erhaltener Bauteile in das 16. Jh. betrifft nur wenige Bauteile, namentlich das Fenstergewände am Vordergiebel und den rückwärtigen Rundturm. Die sicher datierbaren Bauteile von Viermünden gehören weitgehend in das späte 15. und das späte 17. Jh.

Literatur, Quellen

Staatsarchiv Marburg, Bestand 340 von Dersch (bes. Paket 14, Nachlassinventar von 1579)

Bleibaum, Frankenberg, 1961, S. 97 f.

Dehio, Hessen, 1982, S. 866

Battefeld, Viermünden, 1994