Florstadt-Staden, Schloss

Aus Burgen & Schlösser
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Infobox
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Entstehungszeit: 1156 Erstnennung Burg der Herren von Büdingen
Baumaßnahme: 1574 Schlossbau
Bauherr: Herrenhaus von Carben
Eigentümer: Privatbesitz, Hotel und Restaurant
Ort: Florstadt, Staden
Kreis: Wetteraukreis
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Ehemalige Wasserburg. Privatbesitz. Hotel und Restaurant. Wetteraukreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Herrenhaus von Carben.

Geschichte

Eine Burg der Herren von Büdingen wird 1156 erstmals erwähnt und gelangte 1404 an eine Ganerbenschaft, der später noch die Löw von Steinfurth, die Burg Friedberg und die Herren von Ysenburg angehörten. 1806 kamen Burg und Ort teilweise, 1817 völlig unter hessisch-darmstädtische Oberhoheit.

Baugeschichtliche Bedeutung

Schloss Staden hat sich aus einer mittelalterlichen Burganlage entwickelt, deren vermutlich stauferzeitliches Hauptgebäude etwa 200 Meter westlich im Talgrund liegt, erhalten sind davon nur noch die Grundmauern.

Der heutige Schlossbau bildete ursprünglich nur die Vorburg. Das Hauptgebäude ist ein dreigeschossiger verputzter Massivbau, hofseits mit einem dreigeschossigen runden Wendeltreppenturm. Unregelmäßige Fensteraufteilung: Erdgeschoss mit Zwillingsfenstern, rechts auch eine Dreifenstergruppe. Im Obergeschoss geringere Durchfensterung, Zwillingsfenster mit Kehle. Das 2. Obergeschoss kragt zu den Traufen etwas vor, es besteht aus verputztem Fachwerk, das ursprünglich vermutlich aufwendiger gestaltet war. Treppengiebel mit kleinen Stufen. Auf der Vorderseite (zum Mühlgraben) befindet sich ein zweigeschossiger Standerker, Erdgeschoss historistisch mit Spitzbogenportal, Obergeschoss renaissancezeitlich. Brüstungsmaßwerk und zwei Wappen (von Carben/Bellersheim). Drillingsfenster. Es handelt sich um einen durch einen Unterbau abgefangenen ehemaligen Erker. Hofseitig links neben dem Treppenturm segmentbogiges Portal in rechteckigem Rahmen, gestäbtes Gewände (Kehle und Rahmen) mit kleinen Kreisen ornamentiert, bezeichnet 1574 (durch neuen Vorbau verdeckt). Steinmetzzeichen wie am Torpfeiler (s. u.). Wendeltreppe mit einfach gewundener gekehlter Spindel.

Im Innern sind Erdgeschoss und 1. Obergeschoss als Hotel und Restaurant ausgebaut; die im Dachwerk erhaltenen Schornsteine lassen auf einen Grundriss des Erdgeschosses schließen, der (von der Straße aus gesehen) links die Küche enthält. Trotz Hotelausbau ist das ursprüngliche Dachwerk erhalten. Östlich zweigeschossiger, annähernd quadratischer Anbau, massiv, verputzt, mit Eckquaderung. Hofseitig besitzt der Anbau zwei rundbogige Blendarkaden mit Diamantquadergewände, die auf Höhe der Arkadenpfeiler den gesamten Gebäudesockel an der Hoffront einnehmen. Abarbeitungsspuren zeigen das ursprüngliche Vorhandensein eines Kämpfergesimses zwischen Bogengewände und Pfeilern an. Im rechten Blendbogen rechteckiges Portal, Gewände mit Karnies profiliert, im linken Bogen gekuppeltes Zwillingsfenster mit Karniesprofil. Ein mit Wulst und Kehle profiliertes Gesims trennt auf der Hoffront das 1. Obergeschoss ab. Dort zwei gekuppelte Zwillingsfenster axial über den Erdgeschoss-Arkaden, innerhalb eines gemeinsamen Rahmens zusammengefasst. Vertiefte Fensterrahmenflache, seitlich mit Karnies, oben mit Konsölchenfries abschließend. Dachgesims vorspringend, mit Karnies. Walmdach. Das Erdgeschoss ist in zwei Räume unterteilt, der vordere hat zwei Kreuzgratgewölbe, in den hinteren führt rechts ein rundbogiges Portal mit Diamantquadergewände, ähnlich den Blendbogen der Hoffassade. Wohl Remise. Die hofseitig rechts fehlende Eckquaderung charakterisiert den Bau deutlich als Anbau an den 1574 datierten Schlossbau.

Tor. Westlich des Renaissanceschlosses die heutige Brücke, Torpfeiler um 1600. Sie haben über dem Sockel eine Nische mit vorkragender Konsole und Muschelabschluss, in den Zwickeln über dem Rundbogenabschluss zwei kleine Blüten. Den Bereich bis zum Bach füllt die Ruine des Brauhauses aus (so laut Dehio, Hessen, 1982, S. 825), das Portal, bezeichnet 1597, mit segmentbogigem gestäbten Gewände in rechteckigem Rahmen. Von hier aus führt eine Treppe hinunter bis zum Wassergraben, wo wiederum eine ganz leicht spitzbogige Tür des 16. Jh. auf den Graben hinausführt. Ursprünglich war hier ein Zwinger, von dem aus das Tor kontrolliert werden konnte.

Daneben befindet sich der viergeschossige spätmittelalterliche Torturm. Die unteren drei Geschosse sind mit gelblichem Putz und Mörtel gemauert, das vierte Geschoss mit etwas andersfarbigem Mörtel und deutlich kleineren Eckquadern sowie Schlitzschießscharten (Schlüssellochschießscharten). Frontseitig, d. h. südlich, befindet sich das vermauerte spitzbogige Einfahrtstor mit tiefem Falz und links und rechts des Tores eine zwei Geschoss hohe Verzahnung eines Vorbaues für ein Fallgatter. Außerhalb der Verzahnung Schlitzschießscharten, einfache senkrechte Schlitze. Zum Hof hin war der Turm ursprünglich offen (Schalenturm). Im Innern des Torturms im Erdgeschoss Gewölbe, auf Schalung gemauert. An den seitlichen Mauern gleich hinter dem äußeren Tor beidseits Pforten. Auf der Außenseite wiederholt sich westlich dieser Befund, hier sieht man das Quadergewände einer Pforte mit gegiebeltem, möglicherweise waagerechtem Sturz (die Vermauerung nicht genau zu erkennen), offenbar vor, außerhalb der Wehrmauer, deren Einzahnung fast mittig im Turm sitzt und bis zu einer Pforte im ersten Obergeschoss hinaufreicht, die einen profilierten Schulterbogen aufweist. Im 1. Obergeschoss Kamin über dem Tor, um 1500, wahrscheinlich nachträglich eingebaut (Schalenturm!), aber keine klaren Baufugen zu erkennen. In einem Wirtschaftsbau Steinrelief mit Löwenmaske.

Würdigung

Die Nutzung als Ganerbenburg machte die Errichtung unterschiedlicher Herrensitze erforderlich, von denen nur der Ysenburg-Büdingensche erhalten ist. Er ist durch bescheidene Renaissanceformen gekennzeichnet.

Literatur, Quellen

Wionski, DTH Wetteraukreis II, 1999, S. 522 f. (im 1. Teil-Bd.)

Sante, Handbuch, 1976, S. 420

Dehio, Hessen, 1982, S. 825

Knappe, Burgen, 1995, S. 341 f.