Hadamar, Schloss

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Infobox
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Entstehungszeit: 14. Jh. Wasserburg
Baumaßnahme: ab 1612 Um- und Neubau als Schloss,
um 1900 Umbau zur Schule,
1988 Sanierung
Bauherr: Grafen von Nassau-Hadamar
Eigentümer: Land Hessen
Ort: Hadamar
Kreis: Limburg-Weilburg
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Residenzschloss (Gymnasiumstraße 4). Land Hessen. Kreis Limburg-Weilburg.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Umbau der älteren Baugruppe und größerenteils Neubau ab 1612. Bauherr Grafen von Nassau-Hadamar. Um 1900 Umbau zur Schule. Sanierung 1988 mit erheblichen Substanzverlusten (z. B. alle historischen Putze sowie die Stuckdecken der Renaissance im Dachgeschoss, Cramer 1990).

Geschichte

Eine im 14. Jh. über Resten eines Eberbacher Klosterhofs errichtete Wasserburg der Grafen von Nassau-Hadamar brannte 1540 aus. 1559 Wiederaufbauplanung, jedoch keine Anzeichen für deren Ausführung (Stahl, Hadamar, 1974, S. 75 f.). Seit 1557 waren die Grafen von Nassau-Dillenburg Alleinherrscher in Hadamar, nach der Erbteilung 1607 wurde Hadamar Residenz der Teilgrafschaft der jüngeren Linie der Grafen von Nassau-Hadamar. Nach Abbruch eines Altstadtviertels wurde das Schloss im wesentlichen ab 1612 neu errichtet. Der Bauherr Johann Ludwig lebte 1590-1653 und heiratete 1617 Ursula von Lippe-Detmold (1598-1638). 1630 konvertierte er aus politischen Gründen zum katholischen Glauben, seine Gemahlin blieb protestantisch.

Baugeschichtliche Bedeutung

Das Schloss besteht aus einer Kernanlage und zwei südlich vorgelagerten Wirtschaftshöfen. Es liegt im Talgrund des Elbbachs, unmittelbar am Flüsschen.

Kernschloss. Die Kernanlage ist heute dreiflügelig, der 4. (westliche) Flügel wurde in den 1780er Jahren abgebrochen, ebenso die ursprünglich noch vorhandene Brücke von diesem Flügel über den Elbbach. Alle drei erhaltenen Flügel haben ein hohes Sockelgeschoss (Kellergeschoss) und sind darüber dreigeschossig.

Nordflügel. Die Nordfassade besteht aus drei Teilen. Die östliche Achse wird von der Kapellenapsis eingenommen, die leicht nach Nordost vorspringt. Die anschließenden drei Achsen bilden die Nordfront des Ostflügels, mit einem Giebel versehen. Nach Westen folgen die Tordurchfahrt als 5. Achse sowie nach einem Mauerrücksprung drei unregelmäßige ‚Fensterachsen‘, dreifach gekuppelt. Dieser Bauteil wird westlich von einer Eckquaderung begrenzt. Den Westabschluss bildet ein einachsiger Anbau mit Westgiebel.

Der Giebel des Ostflügels hat einen halbgeschossigen rechteckigen Unterbau, auf dessen Abschlussgesims ein gekuppeltes Zwillingsfenster sitzt. Ein breites rechteckiges Wandfeld wird von rustizierten Pilastern gerahmt, an die sich Seitenteile mit Voluten, Schnecken und Hörnern anfügen. In den beiden oberen Giebelgeschossen ist die entsprechende Einteilung schmaler, im mittleren Geschoss sitzt ein rechteckiges Fenster, im oberen ein rundes Flugloch. Als Abschluss dient eine Halbkreisrosette mit Obelisk. Über der 6. und 7. Fensterachse befindet sich ein entsprechender, etwas kleinerer Zwerchgiebel. Das Dach ist über der Apsis, über dem Tor und über dem westlichen Bauteil durch eine senkrechte verschieferte Wand mansardenähnlich ausgebaut. In die 4. Achse wurde um 1900 ein rechteckiger Eingang eingebrochen.

Die Tordurchfahrt hat ein rundbogiges Tor in rechteckigem Rahmen mit flachen Rustikaquadern. Über dem Rechteck befindet sich ein Architrav, darauf in der Mitte rechteckiges Feld mit Segmentgiebel und Obelisk, von zwei gesprengten Giebelhälften mit Obelisken eingerahmt. Die Hofseite hat insgesamt sieben Fensterachsen. In der rechten Achse befindet sich die Tordurchfahrt, die gegenüber den Obergeschossen etwas vorgezogen ist. Gliederung des Tores wie außen. Über dieser Achse ein Zwerchgiebel, entsprechend denen der Hofseite des Ostflügels. Links davon ist eine Baunaht zu erkennen, die im Dachbereich als Brandmauer erscheint.

In der 4. Achse von Westen befindet sich ein polygonaler Treppenturm, der das Dachgesims um ein (verschiefertes) Geschoss überragt. Er hat vier rechteckige Fenster zur Südseite und einen leicht vorspringenden Rundbogenfries unter dem 2. Fenster von oben. In der 5. Achse befinden sich im Untergeschoss eine schmale und eine breitere spitzbogige Tür, Gewände mit Kehle (schmale Tür) beziehungsweise Karnies. Zumeist gekuppelte Zwillingsfenster, häufig sind die Mittelpfosten der Fenster entfernt. Die linke Achse bildet den westlichen Anbau, zum Hof risalitartig vorspringend und mit einem Zwerchgiebel versehen. Der Zwerchgiebel entspricht den übrigen der Hofseite, im oberen Geschoss ein Flugloch. Die Westfassade hat zwei Fensterachsen, die sich in den Zwerchgiebeln dieser Seite fortsetzen. Dort gibt es links ein gekuppeltes, rechts ein einfaches Fenster. Die Giebelspitze ist symmetrisch auf das Zwillingsfenster bezogen, über dem einfachen Fenster sitzt ein zum Risalit gehöriges Satteldach.

Nordflügel, Inneres. Unmittelbar an die Bauflucht des Ostflügels mit der Kapelle und ihrem Vorraum schließt sich der Nordflügel mit der Tordurchfahrt an. Der Wohnteil des Nordflügels ist gegenüber der Durchfahrt etwas in den Hof vorgerückt. Er wird mittig durch den Treppenturm erschlossen, dem in allen Geschossen ein schmaler Querflur angeschlossen ist. Dieser erschließt beidseits Räume, die durch dünne (Fachwerk-?) Wände unterteilt sind. Den Plänen Rumpfs zufolge befanden sich im Erdgeschoss westlich eine Küche, östlich zwei schmale Räume und im 1. Obergeschoss beidseits je eine große Stube. Der westlichen war im Westturm eine Kammer samt Abort zugeordnet, der östlichen eine Kammer über der Durchfahrt. Im 2. Obergeschoss lag westlich eine Kammer, von der ein hofseitiger Flur abgeteilt war, Zugang zum Abort beim Westturm. Östlich lagen wiederum eine Stube und eine Kammer über der Durchfahrt, von hier aus konnte man den Raum über der Kapelle im Ostflügel erreichen.

Die linksläufige Wendeltreppe hat eine runde, unprofilierte Treppenspindel. Zum 1. Obergeschoss führt eine Tür mit Schulterbogen. Zwischen dem Flur und dem westlich anschließenden Raum 33/34 (Raumnummern nach eigener Nummerierung, vgl. Grundriss) sowie im 2. Obergeschoss zwischen Raum 22 und Raum 25 (also die Verbindung zum westlichen Anbau) haben die Türgewände Fasen, die in kleinen Voluten enden (vgl. Portal zur Kapelle im Südflügel). Nordwestlich endet der Flügel im quadratischen Eckturm der mittelalterlichen Anlage. Nur der Bauteil zwischen Tordurchfahrt und diesem Eckturm ist der renaissancezeitliche Neubau.

Ostflügel. Der Ostflügel setzt mit einem Treppenhaus am Südflügel an, außen durch die versetzten Fenster zu erkennen, es folgen auf der Ostseite acht Fensterachsen mit Einzelfenstern, in der vorletzten Achse gekuppelte Zwillingsfenster. Den Abschluss nach Norden bildet in ganzer Höhe der polygonale Vorsprung einer Kapelle. Straßenseitig zwei Zwerchgiebel von unterschiedlicher Größe, über der 2. und über der 4./5. Achse. Die Hofseite hat gleichfalls acht Fensterachsen sowie den zweiachsigen Treppenhausteil im Süden. Drei Zwerchgiebel befinden sich über der 2, 4./5. und 7. Achse von Süden. Der zweiachsige Zwerchgiebel hat ein Vollgeschoss mit zwei gekuppelten Fenstern, das Geschoss darüber ist etwas schmaler und wird von steilen Voluten eingefasst. Abschluss mit Fluglochaufsatz und Halbrosette. Die kleineren Zwerchgiebel haben statt eines Fluglochs ein kleines Rechteckfenster. Der mittlere Teil des oberen Giebelgeschosses wird von flach rustizierten Quadern von seitlichen Feldern abgeteilt, deren Abschluss von S-Voluten gebildet wird. Halbrosettenabschluss.

Hofseitig befindet sich in der linken Treppenhausachse ein rundbogiges Portal mit gestäbtem Gewände, darüber gesondert ein Wappenstein mit der Inschrift: „INCHOATVM ANNO 1614 3. Julii CONSVMMATU ANNO 1617 IOHAN LVDWIG GRAN ZV NASSAV CATZENELNBOGEN VIEANDEN VNDT DIETZ HERR ZU BEYLSTEIN DEI ME DEXTRA TVETVR VRSVLA GEBORENE GREVIN ZUR LIPPE GREFIN VNDT FRAW ZV NASSAV CATZENELNBOGEN“. Unter dem Wappen der Wahlspruch: „QUOS O CHRIST VA DEFENDIS MAXIME DEXTRA HIS NON VELA VIOLENTA NOCET“. Der entsprechende Wahlspruch am Torbogen des Südflügels ergänzt als drittletztes Wort noch „VIS“.

Auf der Außenseite befinden sich unter dem Kapellenchor schmale Lanzettfenster mit Kehle und rechteckiger Fensteröffnung. Der Profilierung nach sind diese Fenster erst in das 14. Jh. zu datieren. Fensterprofile sonst mit Falz und Karnies, kleine Volute als unterer Profilabschluss. Hofseitig Falz und Kehle beziehungsweise (in den Zwerchgiebeln) Fase.

Ostflügel, Inneres. Der Ostflügel reicht vom Treppenhaus im Süden bis einschließlich zur Kapelle im Norden. Im Keller hat er Kreuzgratgewölbe auf drei runden Mittelpfeilern. Das Treppenhaus ist in Form einer zweiläufigen Stiege mit geraden Läufen erbaut. Die Unterseiten der Treppenpodeste zeigen geometrischen Stuck zwischen Gurtbögen, die mit gekehlten Fasen versehen sind, am Profilende jeweils eine kleine Volute. Vom Treppenpodest zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss führt eine rechteckige Tür in die Kapelle im Südflügel. Portal mit Fase, die in einer kleinen Volute endet, ähnlich den Gurtbögen. Über der Tür sind bei gezielten stratigraphischen Untersuchungen 1977 Teile einer gemalten Portalumrahmung zum Vorschein gekommen. Es lassen sich ein Blattkapitell, ein Gebälk und der Ansatz eines Dreiecksgiebels in blaugrauen Farbtönen erkennen. Auch an den Fenstern und den Ecken des Treppenhauses wurden Farbreste festgestellt, u. a. gemalte Eckquaderungen. Restauratorische Freilegungen haben diese Befunde bis um 1990 ergänzen können.

An den Treppenbau folgt nach Norden ein einachsiger Bauteil mit sich nach Norden verjüngendem Flur auf der Hofseite und zwei kleinen Räumen auf der Straßenseite. Diese Räume haben nach allen Seiten dicke Mauern, die die übrigen Mauern im Ostflügel an Stärke um ein Mehrfaches übersteigen. Es handelt sich im Kern um den ursprünglichen südöstlichen Eckturm der Anlage. Im Erdgeschoss ist dieser Bereich durch den Einbau einer Sakristei für die Kapelle im Südflügel und den Umbau des Treppenhauses (Einbau des straßenseitigen Eingangs, Verlegung des Flures) verändert. Im 1. Obergeschoss sind die beiden Räume 19 und 20 dieses einachsigen Bauteils sowie die beiden anschließenden Räume 22 und 23 erhöht, ihr Fußbodenniveau schneidet die Fenster. Auf diesem erhöhten Niveau befindet sich zwischen Raum 22 und Raum 20 eine Tür, deren Profil mit einfacher Fase und unterem Karniesabschluss dem des Portals zur Kapelle im Südflügel entspricht. Der kurze Flur des einachsigen Bauteils wird durch eine Wand nach Norden abgeschlossen. Im 2. Obergeschoss befindet sich zwischen zwei Räumen an der entsprechenden Stelle eine segmentbogige Abortnische. In allen drei Geschossen folgt an diesen ehemaligen Turm nach Norden eine Flucht von vier annähernd gleichgroßen straßenseitigen Räumen (der erste im 1. Obergeschoss in jüngerer Zeit unterteilt), zum Hof hin gibt es einen durchgehenden Flur, der ursprünglich sogar bis zur Nordfassade gereicht hat. Wohl erst im 19. Jh. wurde der letzte Teil des Flures in allen Geschossen abgeteilt. Im Erdgeschoss besitzt der erste Raum von Süden eine runde Mittelsäule und ein durch Gurte geteiltes Kreuzgratgewölbe. An der Wand Rest einer gemalten Säule. Die übrigen Räume sind ungewölbt. Die Raumflucht endet im Norden in der Kapelle, die zur Straße hin polygonal erweitert ist, im letzten Zustand aber profan wirkte. Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss haben der entsprechende Raum des Ostflügels und der östliche polygonale Raum eine Verbindung durch eine rundbogige Arkade, die mit Wulst und Kehle stabwerkartig profiliert ist. Im polygonalen Raum gibt es runde Eckdienste auf polygonalen Sockeln. Die Dienste des erdgeschossigen Raumes durchstoßen die Decke zum 1. Obergeschoss, finden dort aber keine Fortsetzung mehr. Der polygonale Raum des 1. Obergeschosses ist mit einer Stuckdecke versehen, mit geometrischer Aufteilung, Rollwerkornamenten und einem Pelikan in der Mitte. Dadurch wird die Bestimmung des Raumes als Kapelle deutlich. 1987 konnte dieser Bauteil durch Johannes Cramer teilweise freigelegt und untersucht werden. Danach ist eindeutig, dass die Dienste ursprünglich vom Erdgeschoss (Sockelprofil) zum 1. Obergeschoss reichten und dort spitzbogige Fenster einfassten. Aus eigenen Beobachtungen 1977 sowie den Untersuchungen Cramers ergibt sich folgende Bauabfolge: 1. doppelgeschossige gewölbte Kapelle mit gotischen Fenstern, den Profilen nach vermutlich 1. Hälfte 14. Jh., 2. zwei eigenständige Kapellen mit großen gestäbten Triumphbögen zwischen Saal und Apsiden, den Profilen nach 2. Hälfte 16. Jh. oder um 1614-17, 3. neue Raumfassung mit protestantischer Stuckdecke in der oberen Kapelle, um 1630. Cramer vermutet, dass die Kapelle ursprünglich im Erdgeschoss nach Westen bis zur Tordurchfahrt und im Obergeschoss sogar bis zur Westmauer der Durchfahrt reichte. Die Mauerstärken sprechen – zumindest in den Grundrissen von A. Rumpf (1617) – für diese Annahme, auch wenn der abgewinkelte Chorschluss dagegen spricht. Die merkwürdig einwärts geführte Nordmauer des Chorschlusses lässt kaum an eine einheitliche Kirchenplanung denken. Im Keller-Grundriss lässt sich leider kein Beleg für diese Vermutung finden, da die gesamte Südmauer des Langhauses fehlt.

Südflügel. Der Südflügel hat auf der Außenseite zehn nicht völlig regelmäßige Achsen. In der 4. Achse von West besitzt er eine Tordurchfahrt, im 1. Obergeschoss in der 2. und 7. Achse einen Erker und über der 1., 3., 6. und 9. Achse gibt es einen Zwerchgiebel. Die Tordurchfahrt befindet sich auf der Höhe des Untergeschosses und reicht in das Erdgeschoss hinauf, so dass es dort kein Fenster gibt. Das Tor ist rundbogig in rechteckigem Rahmen und besteht aus flach rustizierten Quadern, seitlich von rustizierten Pilastern mit Entasis begleitet, Sockel mit Diamantquadern. Ein Gebälk fehlt. Beide Erker kragen auf vier geschwungenen Konsolen vor, die seitlichen Konsolen sind etwas größer, als die mittleren. Die Brüstungen sind glatt, der rechte Erker besitzt auf der Brüstung ein Wappen (Ursula zur Lippe, Gräfin zu Nassau). Am westlichen Erker Zwillings-, am östlichen Drillingsfenster, die Erker kragen um die Breite eines Fensters vor.

Die Stockwerke sind unterschiedlich hoch. Die Fenster des Hocherdgeschosses waren etwas höher als die des 1. Obergeschosses, die des 2. Obergeschosses sind deutlich höher und haben ein durch einen Fenstersturz abgeteiltes Oberlicht (Kreuzstockfenster). Alle Fenster sind gekuppelt, Profilierung durch Falz und Karnies. An der Ostseite hat der Südflügel im Erdgeschoss zwei Fenster, entsprechend der Südseite, im 1. sowie im 2. Obergeschoss gibt es von Süden nach Norden ein zwei-, ein drei- und ein einteiliges Fenster. Nördlich schließt der Ostflügel an.

Die Zwerchgiebel der Südseite sind einachsig und bestehen aus einem Vollgeschoss mit gekoppeltem Zwillingsfenster sowie, durch ein Gesims abgeteilt, einem Obergeschoss mit einfachem Fenster und einem flachen Aufsatz mit Flugloch, ferner einer Rosette mit Kreuzblume als Abschluss. Das Flugloch hat vier vorstehende Gewändesteine (Rustizierung). Giebelkanten mit eingerollten Voluten und ‚Hörnern‘. Die zwei Giebelgeschosse der Ostseite werden von Gesimsen abgeteilt, den Giebel schließt ein flaches Zwischengeschoss mit einem Flugloch und einem Halbkreisaufsatz mit Obelisk ab. Die seitlichen Voluten entsprechen den Zwerchgiebeln; dies gilt auch für die westliche Giebelseite, die aber nur zwei Fensterachsen mit gekuppelten Fenstern hat. In der Detailgestaltung weichen die Zwerchgiebel von Süd- und Ostflügel deutlich voneinander ab.

Die Hofseite hat sechs Fensterachsen. Links schließt sich der Ostflügel an, rechts von der 6. Achse – die nur im 1. Obergeschoss durch ein Fenster gekennzeichnet ist – steht ein polygonaler Treppenturm. Rechts vom Turm folgt noch eine Achse. Hier gibt es im 1. Obergeschoss einen leicht vorspringenden vermauerten Rahmen aus Pilastern auf Postamenten und mit einem Giebelaufsatz, er enthält ein kleines Fenster, ursprünglich jedoch eine rechteckige Tür, die auf den verschwundenen Westflügel führte.

Unter der 1. Achse von links befindet sich ein rundbogiger Kellereingang, mit gestäbtem Wulst-Kehle-Profil. Die 2. Achse ist im Erdgeschoss mit einem unprofilierten (neueren) Eingang versehen, zu dem ein doppelläufiges Treppenpodest führt. In der 3. und 5. Achse Kellerfenster. In der 4. Achse befindet sich die Tordurchfahrt. Sie hat die gleiche Gliederung wie außen, besitzt aber noch ein abschließendes Gebälk mit gesprengtem Segmentbogengiebel, links und rechts Vasen und in der Mitte ein Medaillon. Im Giebel Doppelwappen. Auf dem Architrav Inschrift: „I L G Z N C V V D H B V G G L G Z N C“ - „QVOS O CHRISTE TVA DEFENDIS MAXIME DEXTRA HIS NON VLLA HOSTIS VIS VIOLENTA NOCET“. Wahlspruch und Wappen entsprechen der Inschrifttafel von 1617 am Ostflügel über dem Hofeingang (s. u.), die Auflösung der Buchstaben lautet: Johann Ludwig Graf zu Nassau-Catzenelnbogen Vianden und Diez Herr zu Beilstein, Ursula geborene Gräfin zur Lippe Gräfin zu Nassau-Catzenelnbogen. Unter der 6. Achse rechteckiger Eingang. Die 4. Fensterachse ist im 1. Obergeschoss mit einem Balkon mit schmiedeeisernem Geländer und Vordach versehen. Die Fenster sind beziehungsweise waren gekuppelt, im 2. Obergeschoss Kreuzstockfenster. Zwerchgiebel befinden sich über der 2. und 5. Achse. Der Treppenturm springt auf fünf Seiten eines Achtecks vor, zwischen dem 1. und 3. Obergeschoss hat er nach Osten zwei rundbogige, vermauerte Portale oder Fensteröffnungen. Die übrigen Fenster haben schräge Gewände und zeigen die Funktion als Treppenturm an. Über dem Dachgesims erhebt sich der Turm noch vier Geschosse hoch, alle Fenster sind rechteckig, sie sitzen in den Haupthimmelsrichtungen, nicht in den Diagonalen. Der Turm steht hofseitig vor der Küche, hat zu dieser aber keine direkte Verbindung. Er enthält eine linksläufige Wendeltreppe mit einer Hohlspindel, die auf einem trommelartigen Sockel ansetzt und in einem Ringschlussstein endet, der auf seiner Unterseite mit Blattwerk und Eierstab versehen ist. Das Spindelprofil setzt sich aus spiralig gedrehten Rundstäben und Kehlen zusammen. Im 2. Obergeschoss führt eine rundbogige Tür zum Treppenturm, deren Gewände mit Rundstab und Kehle gestäbt ist, die sich am unteren Profilende rechtwinklig kreuzen.

Südflügel, Inneres. Am westlichen Ende befindet sich im Erdgeschoss die hohe, in das Untergeschoss hinabreichende, etwa quadratische Küche, durch zwei Rundpfeiler in zwei Hälften mit je drei Kreuzgewölben gegliedert. Das mittlere Drittel der westlichen Hälfte wird von tiefen segmentbogigen Arkaden (im Süden vermauert) ausgeschieden, die Arkaden ruhen auf Säulen, die den Pfeilern vorgelegt sind. Hierbei handelt es sich um die Feuerstelle mit Schornstein. Säulenkapitelle ohne Verzierung, nur mit Schaftring (Wulst). Nach Osten folgen zwei kleine einjochige Räume sowie die Durchfahrt, anschließend ein dreiachsiger gewölbter Raum (im Plan von 1617 als Gesindestube bezeichnet) und in der Südostecke die Schlosskapelle.

Die etwa quadratische Schlosskapelle ist zweigeschossig. Die flache Balkendecke wird von vier quadratischen Pfeilern gestützt. Die Pfeiler halten zugleich die seit dem 18. Jh. dreiseitig, vorher nur zweiseitig umlaufenden Emporen, deren Brüstungen vergittert und mit beschlagwerkverzierten Zwischenpfeilern und vorgelegten Säulchen versehen sind. Die Orgel befindet sich in der Brüstung der oberen Westempore. Die Ostwand ist völlig frei vor Emporen, in der Mitte hinter dem Altar steht die Kanzel.

Das 1. Obergeschoss dieses Flügels wurde im Barock besonders stark umgebaut; ein Plan von Rumpf aus dem Jahre 1627 lässt den ursprünglichen Grundriss erkennen. Über der Durchfahrt befanden sich zwei kleine Gewölberäume, die einen schmalen mittleren Flur einfassten. Nach Westen folgten eine Kammer mit Kamin und Abort sowie ein Gemach aus zwei Stuben und einem Vorraum, eine der Stuben war die Schreibstube. Nach Osten folgten ebenfalls eine Kammer mit Abort und Kamin sowie eine als Gemach bezeichnete Stube, schließlich über der Kapelle eine Stube samt Kammer. In den fünf östlichen Achsen des 2. Obergeschosses befindet sich ein großer Saal mit barocker Stuckdecke. Raumhöhe und Fensterhöhe zeigen an, dass hier von Anfang an ein Saal bestanden haben muss, dessen ursprüngliche Ausdehnung aber gegenwärtig nicht zu ermitteln ist.

Westflügel. Bis zum Ende des 18. Jh. bestand auch ein Westflügel, der Nord- und Südflügel miteinander verband. Die Pläne Rumpfs von 1617 und 1627 zeigen seinen Grundriss. Danach handelte es sich um einen gewölbten Arkadengang mit vier Stützen, in den auch der Steg über den Elbbach zum fürstlichen Schlossgarten endete. Im südlichen Drittel verbreiterte sich der Bau und umschloss den dortigen Schloss-(Treppen-)Turm. Der schmale Flügel wurde der älteren Westmauer des Schlosses angefügt, eine über Eck gestellte Mauerspitze nach dem Treppenturm dürfte der Rest des mittelalterlichen südwestlichen Eckturms gewesen sein.

Dachwerk. Das Dachwerk hat über allen Flügeln eine liegende Stuhlkonstruktion mit einer Zwischendecke. Wo diese heute fehlt, zeigen die seitlichen Nuten der Deckenbalken des oberen Dachgeschosses ihr früheres Vorhandensein an. Das Dachwerk war also zweigeschossig ausgebaut und genutzt. Im Nordflügel befindet sich (1977) im unteren Dachgeschoss in der Achse über der Tordurchfahrt ein Raum mit geometrischer Stuckdecke. In der Mauer nach Westen rechteckiger Eingang, Gewände mit Fase, die in kleinen Voluten endet, farbig gefasste Rahmung. In der Ostwand des Raumes (verputztes Fachwerk) befindet sich eine mit Backstein vermauerte Tür mit gemalter Rahmung. Diese Anzeichen sprechen für eine Wohn- und gegen eine Lagernutzung dieser Teile des Dachwerks. Die Wirtschaftshöfe. Der „Plan der fürstlichen Residenzstadt Hadamar“ von 1713 (Krupp, Hadamar, 1986, Abb. 7 auf S. 222) zeigt das Schloss von einer schmalen Bastion und Wassergräben umgeben. Durch Brücken war das Schloss nach Norden und Süden mit Vorburgen verbunden. Die beiden südlichen Vorburgen gehören der Renaissancezeit an, die nördliche Vorburg entstand erst im späten 17. Jh. (Stahl). Die südlichen Vorburgen sind der Marstallhof und der Fohlenhof.

Vom einst dreiflügeligen Marstallhof sind der Westflügel und ein Teil des Südflügels erhalten geblieben. Die Gebäude sind eingeschossig. Der Westflügel hat zum Hof hin sieben rundbogige Eingänge, Profile stabwerkartig mit Wulst und Kehle, vier Zwerchgiebel mit Walmdach. Der Nordgiebel ist verändert, z. T. zeigt er noch Beschlagwerkrahmung an der westlichen Giebelseite. Vom Fohlenhof ist noch ein Flügel erhalten. Er ist rechteckig und besitzt nach Südwesten einen Rundturm. Die Südost-Ecke nimmt eine Säule mit Sockel, Schaftring und toskanischem Kapitell ein, Rest eines früheren rundbogigen Torbogens mit einer äußeren rechteckigen Rahmung. Die Säule gehört zum rechteckigen Rahmen des Tores, die Archivolte könnte auf einem Kämpfer in Höhe des Schaftringes angesetzt haben.

Baugeschichte. Zur Lage: Die mittelalterliche Burg befand sich in der Mitte des elbseitigen Stadtmauerzuges, war also auf drei Seiten vom Ort umgeben. Diese Umklammerung wurde beim Neubau des Schlosses zu Beginn des 17. Jh. aufgehoben, indem der Graf die südlichen Teile der Altstadt aufkaufte oder enteignete und die Bevölkerung in einer nach Norden sich erstreckenden Stadterweiterung ansiedelte (Stahl 1974, S. 85). Durch ausgedehnte Park- und Vorburganlagen kam die neue Stadt Hadamar räumlich kaum mehr mit dem Schloss in Berührung.

Zum Bauwerk.
1. Der Eberbacher Klosterhof. In einem bemerkenswerten Aufsatz gelang es Johannes Cramer 1990 wesentliche Teile des Eberbacher Klosterhofes des späten 12. Jh. wiedererstehen zu lassen. Ein Plan des Baumeisters Joachim Rumpf aus dem Jahre 1624, grundsätzlich den Zustand vor den Umbauten ab 1612 (Krupp 1986, S. 14) zeigend (HStA Wiesbaden 171, Z 652, vollständige Abb.: Krupp 1986, S. 227-229, vereinfachte Abb. ohne den rechten Teil des Planes mit der Datierung 1624: Cramer, S. 28), stellt danach in nennenswertem Umfang noch die klösterliche Architektur dar. Hierzu gehören der stadtseitige Ostflügel, die Nordmauer (Hofmauer) des Südflügels, der über Eck gestellte Südwestturm sowie der Westturm am Nordflügel, während der Nordflügel selbst burgenzeitlich ist, also im 14. oder 15. Jh. entstand. Insbesondere gelang es Cramer, die vom Verfasser in der ursprünglichen Fassung der Diss. sowie in Reclams Kunstführer Hessen als „alte Kapelle“ (ohne ausdrückliche Datierung) ins 16. Jh. datierte Bauwerk der klösterlichen Planung zuzuweisen und als Chorraum einer größeren Klosterkirche zu erklären.

Diese in einiger Hinsicht bestechende Erklärung leidet aber unter ihrer nicht ausreichenden Beweisbarkeit, solange die Archäologie nicht eine konkretere Datierung des Mauerwerks ermöglicht. Datierbares Bauholz scheint sich nicht gefunden zu haben und die verwendeten Detailformen – birnstabprofilierte Dienste sind eher im 14. als im späten 12. Jh. üblich, spitzbogiges Lanzettfenster mit rechteckiger Öffnung keinesfalls vor der Mitte des 13. Jh. zu erwarten – sprechen nicht für die frühe Klosterzeit. Die vergleichbaren Bauteile im Kloster Eberbach entstanden erst im 2. Viertel des 14. Jh., zu diesem Zeitpunkt war der Klosterhof in Hadamar schon an die Grafen von Nassau übergegangen. Zudem scheint ein gewisser Ringschluss vorzuliegen, wenn Cramer 1990 alle für einen Klosterhof typischen Bauteile wieder erkennt und dabei auf einen gemeinsam mit W. Haas (Stadt im Wandel, 1985) verfassten Aufsatz verweist, in dem aber gerade wegen der geringen Zahl erhaltener Bauten ausgesagt wird, dass eine Typologie nicht möglich sei. Schließlich ist auch fraglich, ob der doppelgeschossige Chorraum, der – hier hat Cramer völlig Recht – ein hoher Sakralraum gewesen sein muss, mit einem (abgebrochenen) Langhaus in Verbindung stand. Das Aufmaß Cramers zeigt, dass die Nordseite des Chores einwärts gerichtet ist, was dem Ansatz eines gleichalten Langhauses eher widerspricht. Die unregelmäßige Nordseite der Anlage lässt daran denken, dass wir es mit einer doppelgeschossigen Kapelle zu tun haben, die nachträglich (d. h. im 16. Jh.) in zwei Geschosse unterteilt wurde. Allerdings ist der Chorraum sehr schmal und Cramers Hinweis, dass dies einen größeren Kirchenraum voraussetzt, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Doch ist nicht auszuschließen, dass zwei Räume in einem gemeinsamen Chorraum münden (Doppelkapelle). Damit ist fraglich, wie viel Mauerwerk tatsächlich vom Klosterhof in die frühe Burganlage übernommen wurde. Ob die erhaltenen Baulichkeiten eine zweite Bauphase des Klosterhofes im späten 13. Jh. darstellen oder eine erste des Burgenbaues, ist nach wie vor nur schwer zu entscheiden.

2. Das Schloss vor 1600. In der Literatur wurde lange Zeit die Auffassung vertreten, dass man am Schloss drei Hauptbauphasen zu unterscheiden habe, nämlich Bauteile von vor 1540, einen Wiederaufbau nach dem Brand von 1540, der jedoch erst 1566 eingesetzt habe, und den Ausbau ab 1612. Die Quellenforschungen K. J. Stahls legen jedoch nahe, dass nach dem Brand von 1540 kein Wiederaufbau durchgeführt wurde. Demnach wären nur Bauteile von vor 1540 von denen ab 1612 zu trennen, hierbei sind einzelne Bauphasen zu unterscheiden und wiederum jüngere Veränderungen auszusondern, vor allem Umbauten des Barock und des späten 19. Jh. Nach Stahl ergeben sich folgende Daten zur Baugeschichte: 1529-30 wurde der Nordflügel unter Graf Eberhard von Eppstein-Königstein zum großen Teil neu errichtet. Dem erwähnten Bestandsplan von 1612/1624 zufolge besaß der Flügel einen mittleren Treppenturm auf der Hofseite und zwei seitliche Räume. Der Treppenturm und Teile des Untergeschosses sind noch erhalten. Darüber hinaus ist vermutlich (wie schon 1977 festgestellt) der nordwestliche Turm im Kern noch erhalten. Vom südöstlichen Turm scheinen ebenfalls Mauerteile erhalten zu sein, was die dicken Mauern nördlich des Treppenhauses im Ostflügel erklärt. Bis zu diesem Bauteil ist das Untergeschoss auf der Außenseite mit schmalen Lanzettfenstern versehen, was ebenfalls auf erhaltene Bauteile des 14. Jh. schließen lässt – eine noch frühere Entstehung dieser Teile (vor 1320, also klosterzeitlich) ist gegenwärtig nicht beweisbar.

3. Das Schloss nach 1600. 1612 hat nach eigenen Angaben des Grafen Johann Ludwig der Umbau des Schlosses begonnen (Stahl 1974, S. 77; Krupp 1986, S. 133 f.), Vorplanungen stammen vom Grafen selbst. Der hanauische Baumeister Joachim Rumpf trat 1616 in die Dienste des Grafen (Staatsarchiv Wiesbaden) und fertigte Baupläne an, die in der älteren Literatur angenommene „Bauleitung“ des Magisters Johann Hedderich Sprenger ist korrekt als Rechnungsführung zu bewerten (Krupp 1986, bes. S. 135 ff.). Nord- und Ostflügel sind der Bauinschrift nach im wesentlichen 1614 bis 1617 umgebaut worden. Diesem Bauteil ist auch die geradläufige Treppe im Süden des Ostflügels zuzurechnen. Das Hofportal zeigt ein gestäbtes Gewände und ist durch den Inschriftstein sicher auf diese Phase datiert. Dies ist wichtig, weil die übrigen gestäbten Gewände entweder jünger sind (Südflügel, Marstallhof) oder kein festes Datum besitzen (Kapelle im Ostflügel). Die Triumphbögen dieser Kapelle haben ebenfalls ein gestäbtes Gewände und scheinen demnach auch 1614-17 entstanden zu sein. Die Umfassungsmauern der Kapelle sind dagegen älter, wie die durch die Decke stoßenden Dienste nahe legen. Da Rumpfs Pläne aber erst aus dem Jahr 1617 stammen, dürfte der wesentliche Ausbau zum Renaissanceschloss erst in einem weiteren Schritt erfolgt sein.

Der weitere Ausbau zog sich über das gesamte 3. Jahrzehnt hin. 1629 wurde der Südflügel vollendet, er enthält gleichfalls eine Schlosskapelle – 1629 nach I. Krupp (S. 165) noch nicht bezugsfertig –, die in den Formen einer modernen Schlosskirche der Renaissance gehalten ist und keinerlei nachgotischen Dekor mehr aufweist. Dennoch muss sie entgegen der früheren Auffassung des Verfassers bei ihrer Vollendung ausschließlich dem katholischen Gottesdienst gedient haben. Gleichzeitig entstanden am Südflügel auch Teile, die diesen nachgotischen Dekor noch tragen. Besonders das Portal vom 2. Obergeschoss zum Treppenturm ist hier zu nennen. Ferner zeigen die Portale des 1619-25 errichteten Marstallhofes (Stahl 1974) gestäbte Gewände. Da die Schlosskapelle im Ostflügel durch die Stuckdecke in der Oberkirche (Pelikan) in ihrer Funktion als Kapelle gesichert ist, stellt sich die Frage, weshalb es zwei Schlosskapellen gab. Für das Jahr 1629 ist überliefert, dass Graf Johann zum katholischen Glauben übertrat. Vorausgegangen waren eine Hochverratsklage Graf Johanns von Nassau-Siegen l628 gegen seine protestantischen Verwandten. Für den Glaubenswechsel wurden Johann Ludwig die diezischen Klostergüter zugesichert (Demandt, Hessen, 1980, S. 312). Gräfin Ursula wurde freigestellt, ob sie calvinistisch bleiben wollte, was sie tat (Stahl 1974, S. 47). Da die Bauarbeiten am Südflügel mit dem Bau der Schlosskapelle 1629 abgeschlossen wurden, ist anzunehmen, dass das Vorhandensein zweier Schlosskirchen mit der Religionshaltung der gräflichen Familie zu identifizieren ist. Dabei wäre die in mittelalterlicher Tradition stehende Doppelkapelle im Ostflügel so umgebaut worden, dass künftig nur noch das obere Geschoss als Kapelle der calvinistischen Gräfin dienen konnte, während die neue Kapelle ab ihrer Vollendung als katholischer Gottesdienstraum diente – die protestantische Erscheinung der neuen Kapelle führt sich auf ihre Planung in protestantischer Zeit zurück. Zudem war der Religionswechsel des Grafen ja politisch und nicht weltanschaulich begründet, die im Sinne unserer heutigen Kunstgeschichte als passend erscheinende Bauform mag ihm da nicht so wichtig gewesen sein. Das gestäbte Profil wiederum scheint eine Art Leitform der Nassauer zu sein, dieses Profil findet sich z. B. auch am Schloss Beilstein, aber auch am Rathausportal von Wiesbaden.

4. Die Innenräume. Alle Geschosse weisen die typische Appartementstruktur aus ofenbeheizter Stube und kaminbeheizter und mit einem Abort versehener Kammer auf. Die Pläne von 1617, 1624 und 1627 bestätigen die Raumbezeichnungen als Stube oder Kammer, in einzelnen Fällen tritt anstelle der Bezeichnung Stube auch das Wort Gemach auf, offenbar als höherwertig anzusehen als eine einfache Stube; Gemächer sind die großen Stuben des Grafen und der Gräfin im Südflügel, an die sich für den Grafen noch eine kleine Schreibstube und für ihn wie für seine Gemahlin ein „gewölb“ an die Kammer anschließen. Das Vorhandensein zweier Küchen erklärt sich aus der Baugeschichte, die ältere Küche lag westlich im Nordflügel, die deutlich größere westlich im Südflügel. Nahe dieser größeren Küche entstand die Gesindestube, die wir wohl mit einer Hofstube gleichsetzen können.

Würdigung

Das Renaissanceschloss Hadamar gehört zu den großen Anlagen seiner Art im heutigen Bundesland Hessen. Es verkörpert, nicht zuletzt dank der inzwischen gut dokumentierten Quellenlage (Stahl 1974; Krupp 1986) den Umbau eventuell eines früheren Klosterhofes, wahrscheinlich einer spätmittelalterlichen Wasserburg zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss mit ausgedehnten Vorhöfen und einer sonst in Hessen und Nassau ungewöhnlichen Unterordnung des städtischen Gemeinwesens unter das Schloss. Der Religionswechsel des Grafen macht zudem die Geschichte der beiden Schlosskapellen mit mindestens drei, wenn nicht vier nachweisbaren Bauzuständen zu einem bemerkenswerten architekturgeschichtlichen Beispiel.

Literatur, Quellen

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, vgl. Stahl 1974 und Krupp 1986

Dehio, Hessen, 1982, S. 373 f.

Sante, Handbuch, 1976, S. 194 f.

Luthmer, BKDM Lahngebiet, 1907, S. 145-151 (mit Grundriss vom ersten Obergeschoss)

Stahl, Hadamar, 1974

Demandt, Rheinfels, 1990, S. 131-144 (mit einem Inv. von 1465)

Krupp, Hadamar, 1986 (mit der gesamten älteren Literatur)

Schleif, Fassadengestaltung, o. J. [um 1987] (betr. Fensterflügel)

Cramer, Hof, 1990

Michel, Geburtstag, 1991

Lehmann, DTH Limburg-Weilburg I, 1994, S. 273-280