Idstein, Schloss

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Infobox
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Entstehungszeit: ab 1614
Baumaßnahme: nach Bauunterbrechungen u. a. 1619, 1621, 1636, 1637-48 und Brandschaden 1651 weiterer Ausbau,
1717-18 Kapelle,
1988-92 Sanierung
Bauherr: Jost Heer unter Graf Ludwig II. von Nassau-Weilburg,
Bauleitung Conrad Hild,
Graf Johann
Eigentümer: Stadt Idstein, Gymnasium
Ort: Idstein
Kreis: Rheingau-Taunus-Kreis
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Seit 1946 städtisches Gymnasium. Rheingau-Taunus-Kreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Der Schlossbau wurde unter Verwendung älterer Teile 1614 von Jost Heer unter Graf Ludwig II. von Nassau-Weilburg (gestorben 1627) begonnen. Die Bauleitung oblag bis 1618 Conrad Hild. Unter Graf Johann (gestorben 1677) wird der Bau weitergeführt. Bauunterbrechungen u. a. 1619, 1621, 1636, 1637-48, Brandschaden 1651, danach weiterer Ausbau. Die Kapelle stammt erst von 1717-18. Sanierung 1988-92.

Geschichte

Im 12. Jh. wurde Idstein, im Besitz des Erzbischofs von Mainz, an das später als Grafen von Nassau bekannte Geschlecht vergeben. Im 16. Jh. war die Linie von Nassau-Weilburg im Besitz von Stadt und Schloss. Mit dem Aussterben der Linie (1721) fiel das Schloss an Nassau-Usingen und wurde fortan bis 1881 als Archiv genutzt.

Baugeschichtliche Bedeutung

Das Schloss steht auf einem kleinen erhöhten Plateau, durch einen Halsgraben von der ehemaligen Burg abgetrennt, am Stadtrand von Idstein. Das Plateau des Schlosses ist nach Süden vergrößert, so dass hier ein Zwinger beziehungsweise eine rechteckige Bastion entstand. Die Brüstung ist mit runden Öffnungen und schmalen Scharten versehen. Das barocke Tor ist rundbogig in rechteckigem Rahmen mit rustizierten Quadern um Pilastern. Architrav mit Kugeln über den Pilastern. Das Schloss ist dreiflügelig mit einem nach Westen offenen Hof. Die Hauptschauseite ist die Südfassade mit dem Südflügel und der Südseite des Ostflügels (die zwei rechten Fensterachsen). Das Schloss ist dreigeschossig über einem hohen Unterbau.

Die Südfassade ist neunachsig, allerdings sind die Achsen nicht regelmäßig. Über den zwei äußeren Achsen befindet sich jeweils ein Mansarddach, rechts wird dadurch die Südseite des Ostflügels gekennzeichnet. In der Mitte Satteldach mit zwei Zwerchgiebeln. In der 3. Achse von links befindet sich im Erdgeschoss eine Tordurchfahrt. Sie ist rundbogig mit rustizierten Quadern, in rechteckigem Rahmen mit kannelierten Pilastern und eierstabverzierten Kapitellen. Über dem mit Kreisornamenten versehenen Architrav befindet sich ein rechteckiger Aufsatz mit Doppelwappen (Johann von Nassau-Saarbrücken / Sibylla Magdalena von Baden-Durlach), mit flachem Dreiecksgiebel als Abschluss, von eingerollten Voluten und Obelisken gerahmt, zwischen 1629 und 1635 (Lentz 1994, S. 50 f.). Im Erdgeschoss links vom Tor und in den Obergeschossen unprofilierte Kreuzstockfenster.

Die Mittelachse wird von einem viergeschossigen schmalen Risalit (Standerker) eingenommen, der oberhalb des Erdgeschosses über einem Rundbogenfries leicht vorkragt. Ein weiterer auch auf die Seiten umlaufender Rundbogenfries befindet sich über dem 2. Obergeschoss. Der untere Fries ruht auf verzierten Konsolen. Über einer niedrigen Brüstung läuft ein Brustgesims um, das sich an den Ecken und in der Mitte der Frontseite mit kleinen Konsolen verkröpft. Gesimse auf Konsolen trennen die Geschosse und weitere Gesimsstücke befinden sich seitlich der Fenster in allen Obergeschossen; die ursprünglich kleineren Fenster saßen auf beziehungsweise zwischen diesen Gesimsen. Die Kanten des Risalits sind im 2. und 3. Obergeschoss mit Flachreliefornamenten versehen, Beschlagwerk, Diamantquader und Blüten in Kreisen und Rauten. Der Risalit zeigt eine klare Abstufung vom 1. zum 3. Obergeschoss, die sich vor allem in der Größe äußert. Abschluss durch einen dreifachen Zwiebelhelm. Die Zwerchgiebel neben dem Risalit haben je zwei Kreuzstockfenster und einen leicht geschwungenen Dreiecksabschluss. Sie sind verschiefert.

Die Hofseite des Südflügels hat sechs Achsen einschließlich des völlig in den Mauerverband inkorporierten polygonalen Treppenturms im südöstlichen Hofwinkel, der das Dachgesims um ein Halbgeschoss überragt. Die westliche Fensterachse springt leicht ein, an ihrer Stelle zeigen alte Abbildungen (u. a. Zeichnung wohl von Archivar F.F. von St. George, Lentz, 1994, Abb. 93, vor 1766) einen etwa quadratischen Baukörper, der den Südflügel um ein Geschoss überragt und mit seinem Helm als gedrungener Schlossturm ausgebildet ist.

Der Ostflügel besteht aus zwei Bauteilen, der südliche springt nach Ost etwas über den nördlichen vor. Der südliche Teil hat zum Hof hin im Erdgeschoss vier, darüber je drei Fenster, in den Obergeschossen alle gekuppelt. Satteldach mit Zwerchgiebel, dieser mit dreieckigem Abschluss. Im Winkel zum Nordflügel steht ein quadratischer Treppenturm mit vier Treppenläufen und vier Podesten in den Ecken. Zum Hof hin rechteckige Fenster. Der Nordflügel hat zum Hof hin im Erdgeschoss drei, darüber je zwei Fenster. Die westliche Fensterachse springt geringfügig ein, sie ist in den Obergeschosses nicht durchfenstert.

Ein Westflügel war von Heinrich Hoer 1614 noch konzipiert worden, wie seine Entwurfszeichnung (Lentz, 1994, Abb. 3) zeigt, die Südwestecke sollte einen Eckerker erhalten. Zum Nordflügel sollte ein schräger Mauerabschluss des Wesflügels überleiten, der Westgiebel des Nordflügels saß geländebedingt nicht in der Flucht des Westflügels. Auch die Nordwestecke wäre durch einen Eckerker betont worden. In diesen Details entspricht die Planung dem letzten Zustand von Schloss Weilburg. Der Schlosshof hätte drei gleich große Treppentürme in den Winkeln erhalten sollen, nur im Südwesten sollte der Durchfahrt wegen darauf verzichtet werden.

Inneres. Die Mauerstärken machen deutlich, dass der Südflügel kein einheitliches Bauwerk ist. Vielmehr bestand er ursprünglich aus einem schmaleren Längsbau zwischen dem Schlossturm im Westen und dem Ansatz des Ostflügels mit einer Durchfahrt an der heutigen Stelle und einem unterkellerten Raum östlich davon. Der hofseitige Gang stellt eine Erweiterung dar. Die Durchfahrt ist dementsprechend in zwei Abschnitten kreuzgewölbt. Die Schlosskirche nimmt das Westende des Südflügels ein, also den früheren Turm. Altar nach Ost. Die Räume des Südflügels haben unterschiedliche Grundrisse, ihnen ist auf der Hofseite ein Flur vorgelegt. Räume im Erdgeschoss kreuzgratgewölbt. Die Hofstube befand sich im Nordflügel, ebenso die Küche. Im Erdgeschoss des Ostflügels befindet sich eine kreuzgewölbte Halle auf zwei Rundstützen, gerahmt von zwei tonnengewölbten Räumen. Der nördliche Teil hat zwei quadratische Räume mit Kreuzgewölben. Im Innern des Nordflügels befindet sich im Erdgeschoss eine regelmäßige kreuzgewölbte Halle mit vier Rundstützen. In den Obergeschossen etwa quadratische Räume (der mittlere Raum schmaler), auf der Nordseite mit südlich vorgelegtem Flur, dessen Enden zu Kammern abgetrennt sind.

Würdigung

Das Schloss in Idstein gehört zu den bedeutenden nassauischen Anlagen, die einem ausgereiften Planungsprozess unterworfen waren, wie sich in Weilburg, aber auch bei den Nassau-Saarbrücker Schlössern zeigt. Die dreiflügelige Anlage ist das Beispiel eines einheitlichen Schlossbaues der Renaissance.

Literatur, Quellen

Luthmer, BKDM Wiesbaden V, 1914, S. 159-165 (mit Grundriss)

Ziemer, Geschichte, 1937, S. 295-313

Dehio, Hessen, 1982, S. 417 f.

Schmidt, Bilderdecke, 1987

Lentz, Schloss, 1994 (mit Quellenübersicht)

Lentz, Naturforscher, 2002