Kirtorf-Lehrbach, Burgruine

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Infobox
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Entstehungszeit: um 1538
Baumaßnahme: Ende 16. Jh. Umbau,
1977-79 Restaurierung
Bauherr: Georg Schenk zu Schweinsberg
Eigentümer: Privatbesitz
Ort: Kirtorf, Lehrbach
Kreis: Vogelsbergkreis
Markierung
Hessenmap.png


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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Schmitthof. Privatbesitz. Vogelsbergkreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Georg Schenk zu Schweinsberg, um 1538. Umbau Ende 16. Jh. Restaurierung 1977-79 (Architekt D. Oesterle, Marburg).

Geschichte

Lehrbach gehörte zur Landgrafschaft Hessen, die ein eigenes kleines Adelsgeschlecht mit dem Ort belehnte, die Herren von Lehrbach. Daneben gab es im 16. Jh. den Adelshof der Herren von Schenk zu Schweinsberg, abseits des Dorfes gelegen, die Wasserburg (Schmitthof).

Baugeschichtliche Bedeutung

Die Anlage befindet sich im Tal westlich außerhalb der Ortschaft. Innerhalb eines ummauerten Gevierts steht das Haupthaus der ehemaligen Wasserburg. Zur Umfassung gehören drei zweigeschossige Rundtürme. Das Herrenhaus, dessen Ostmauer auf der Umfassungsmauer steht, ist zweigeschossig mit nicht abgesetztem Sockelgeschoss (Keller). Erdgeschoss massiv, Bruchstein mit Eckquaderung, Obergeschoss in Fachwerk. Erdgeschoss mit einzelnen beziehungsweise gekuppelten Fenstern, mit Falz und Kehle profiliert. Auf der Westseite kragen am oberen Ende des Erdgeschosses links drei Steinkonsolen als Rest eines Erkers aus der Wand vor. In der Mitte der nördlichen Traufenseite spitzbogiges Portal mit Freitreppe, seitlich je ein Fenster. Über dem Portal Wappenstein der Schenk zu Schweinsberg und die Jahreszahl 1538. Links des Portals ist das Mauerwerk leicht ausgebaucht, dort befand sich ursprünglich ein Treppenturm, der größerenteils im Innern des Baues Platz fand. Das Fachwerk des Obergeschosses zeigt eine gleichmäßige Ständerfolge, einfache Streben und Kopfknaggen. Das Stockwerk ist drei Gefache hoch. Zweigeschossiges Krüppelwalmdach. Das Fachwerk gehört den Verstrebungen nach in das späte 17. Jh. Südlich befand sich bis zur Renovierung (1977-79) ein zweigeschossiger Erweiterungsbau, massives Erdgeschoss mit Fachwerk-Obergeschoss. Der Erker der Giebelseite muss bereits beim Neubau des Fachwerkgeschosses im 17. Jh. verschwunden sein, da an seiner Stelle eine Strebe eingebaut wurde.

Das Innere wurde mit dem Neubau von Obergeschoss und Dachgeschoss im 17. Jh. und wohl nochmals im 19. Jh. verändert, dabei Ausmauerung der Gefache der Außenwände. Der Grundriss ist dreigeteilt, so dass sich in der Mitte des Baues eine Halle ergibt, von der aus die Seitenräume beheizt wurden (Ofenloch in der rechten Wand). Die Halle wird durch zwei Achteckpfeiler unterteilt, die die Längsunterzüge abfangen. Links vom Eingang befand sich der steinerne Wendeltreppenturm, dessen Rundung in der Außenwand des Gebäudes sowohl innen als auch außen noch erkennbar ist, die im Gebäude selbst liegenden Teile wurden im 19. Jh. abgebrochen. Die heutige Treppe gehört dem späten 19. Jh. an.

Die drei (ursprünglich sicher vier) Ecktürmchen haben über einem Bruchstein-Erdgeschoss einen polygonalen Fachwerkstock, zwei Gefache hoch. In der Brüstungszone bei einem der Türmchen gerade beziehungsweise geschwungene Andreaskreuze, z. T. mit gotischen Nasen, einzelne Fenster mit Vorhangbogen, mit Falz profiliert (um 1538). Schwelle mit Rundstab profiliert. Dach mit welscher Haube. Das Fachwerk der beiden anderen Türmchen wurde im späten 17. Jh. erneuert, dort gibt es nur leicht geschwungene Bänder in den Brüstungsgefachen. Der massive Unterbau weist einzelne Schießscharten auf, die für Hakenbüchsen geeignet sind.

Würdigung

Das schlossartige Herrenhaus verkörpert im Kleinen den Typ des rondellierten Schlosses aus einem Haupthaus und einer rechtwinkligen Ringmauer mit vier Ecktürmen zur Flankenbestreichung.

Literatur, Quellen

Gutbier, Zwinger, 1976

Großmann, Schmitthof, 1981