Schwarzenfels, Burg

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Infobox
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Entstehungszeit: 13. Jh. Bergfried
Baumaßnahme: 1557 Marstall der Vorburg,
1571 Turm am Tor,
1583 Anbau,
um 1570 und 1621 Kernburg
Bauherr: von Hanau-Münzenberg
Eigentümer: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
Ort: Sinntal, Schwarzenfels
Kreis: Main-Kinzig-Kreis
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Burg- und Schlossruine. Hessisches Immobilienmanagement, Fulda. Main-Kinzig-Kreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Bauherr von Hanau, später von Hanau-Münzenberg. Teilweise Ruine. Vorburg: Marstall 1557, Anbau 1583, Turm am Tor 1571. Kernburg um 1570 und 1621.

Geschichte

Burg der Herren von Hanau. Im 16. Jh. Witwensitz der Herren von Hanau-Münzenberg, 1604-42 Sitz der Nebenlinie Hanau-Schwarzenfels.

Baugeschichtliche Bedeutung

Höhenburg aus einer unregelmäßigen Anlage (Ruine) mit einer Vorburg, zu der ein ehemaliger Marstall und ein runder Turm der Befestigungsmauer gehören. Vorburg. Der Turm neben dem (zerstörten) Tor ist über einem Untergeschoss dreigeschossig gegliedert. Die zwei unteren Geschosse sind rund, massiv, das 2. Obergeschoss aus Fachwerk ist polygonal, verschiefert, die Eckständer ruhen auf kleinen Konsolsteinen. Dies spricht für eine Erneuerung, vermutlich kragte das ursprüngliche Fachwerkgeschoss etwas nach außen vor. Im Untergeschoss und Hocherdgeschoss zum Tor hin Schießscharten, das Portal im ehemaligen Tordurchgang hat ein flaches, unprofiliertes Gewände. Der Eingang in das Hocherdgeschoss liegt auf der Außenseite, es hat gleichfalls ein flaches Gewände, nur der obere Teil des Sturzes folgt der Rundung des Turmes. Das massive 1. Obergeschoss kragt auf einfachen Konsolsteinen vor, im Geschoss ein vermauertes Fenster, segmentbogig, mit Fase, Sturz wie am Portal. Der Sturz ist 1571 bezeichnet (nicht 1575, so Dehio, Hessen, 1982, S. 796). Landau erwähnt am äußeren Torbau einen Schlußstein mit der Datierung MCCCCLV (1455; Landau 1839, S. 292).

Auf der Südseite der Vorburg steht der zweigeschossige Marstall, massiv über talseitig freiliegendem hohen Kellergeschoss. Landau erwähnt hier an einer Pforte und einem Treppenturm die Jahreszahlen 1555, 51xx und 1558 (Landau 1839, S. 292). Hofseitig befindet sich etwa in der Mitte des Baues ein runder Treppenturm mit welscher Haube, der Turm überragt das Dachgesims des Marstalls um ein Geschoss. Rechts neben dem Treppenturm ein schmaler Vorbau in ganzer Gebäudehöhe. Zweigeschossig aus verschiefertem Fachwerk über massivem Untergeschoss, in das ein rundbogiges Tor hinein führt. Links vom Treppenturm unregelmäßig vier Fensterachsen, in der 3. Achse von links Portal. Es ist spitzbogig, mit Rundstab zwischen zwei Kehlen profiliert, innere Kehle mit sich kreuzenden Stäben im Scheitel und am Bogenansatz. Sturz mit Steinmetzzeichen und Jahreszahl 1557 bezeichnet. Über dem Portal dreiteiliges Fenster, alle mit Vorhangbögen, der mittlere Teil höher als die seitlichen. Mit Falz und Kehle profiliert. Die übrigen Fenster sind einteilig mit Vorhangbögen. Das Kellergeschoss ist ein tonnengewölbter Raum. Auch das Erdgeschoss ist tonnengewölbt, mit Stichkappen, Pflasterboden mit Laufgängen und Pferdeboxen. Am Portal innen Reste der farbigen Einfassung (gemalter Schlußstein). Das Bruchsteinmauerwerk ist innen und außen verputzt.

Die Zuschreibung des Marstalls auf Grund der Fensterformen an den Steinauer Meister Asmus (Dehio, Hessen, 1982, S. 796) ist fraglich, wie das gesamte aus Zuschreibungen bestehende Werk dieses Meisters. Die Jahreszahl 1557 dürfte der Entstehungszeitpunkt des gesamten Baues sein, der hofseifige Vorbau wurde 1583 hinzugefügt.

Kernburg. Von den Bauteilen der Kernburg haben sich noch zwei Treppentürme, das Hauptportal von der Vorburg her und ein Gebäudeportal erhalten. Eine leichte Höhenstufe bildet den Übergang von der Vorburg zur Kernburg. An diese Stelle platzierte man im 13. Jh. den runden Bergfried, nachträglich wurde an ihn eine Trennmauer angefügt. Das Hauptportal zur Kernburg sitzt erhöht, durch eine Freitreppe zugänglich, in der Nische eines älteren Spitzbogenportals in der Mauer neben dem Bergfried. Das Portal ist rundbogig innerhalb eines rechteckigen Rahmens. Zwei Freisäulen tragen ein verkröpftes Gebälk, Sockel mit Wappen, unterer Teil der Säulen ornamentiert, Kapitelle korinthisch. Auf den vorgekröpften Gebälkteilen Wappen im Fries, weitgehend verwittert, sonst im Fries zwei Kartuschen. Die Mauer hinter den Säulen ist mit Nischen versehen, die von dem Kämpferprofil geteilt und einer Muschel abgeschlossen werden. Bogen auf Kämpfer, in den Zwickeln Wappen (wohl Hanau und Ysenburg), im Scheitel Volutenkonsole mit Löwenmaske, bezeichnet mit der Jahreszahl 1621. Seitlich setzen Ohren aus spätem Beschlagwerk mit Voluten, darüber Hermen am Portalrahmen an. Auf dem mittleren Teil des Gebälks Doppelwappen, von Hermenpilastern und Rollwerkvoluten gerahmt. Doppelwappen (weitestgehend zerstört), vermutlich das Bauherrenpaar Albrecht von Hanau und Ehrengard von Isenburg betreffend. Zahnschnittfries und Kartuschenaufsatz als oberer Abschluss des Wappenfeldes. Die Detailformen zeigen Verwandtschaft zu Dietterlins „Architectura“. Relativ eng ist die Übernahme des Kapitells, eine vereinfachte Variante des auf Tafel 139 oben rechts bei Dietterlin abgebildeten Kapitells. Zwei weitere Wappen am Sockel der Säulen. Eine Identifizierung der insgesamt sechs kleineren Wappen mit den Ahnen des Bauherrenpaares ist leider wegen des schlechten Zustandes nicht möglich.

In der Kernburg sind als Ruine zwei Treppentürme erhalten geblieben. Beide haben Vorhangbogenfenster und leicht segmentbogige Portale. Das Portal des östlichen Treppenturms hat über der segmentbogigen Türöffnung einen etwas breiteren Sturz, über dem sich die Rundung des runden Bergfriedes ausbildet. Beim Portal des westlichen Treppenturms Rosette und Jahreszahl 1570. Nordwestlich weiteres segmentbogiges Portal in rechteckigem Rahmen. Darüber ein wohl von anderer Stelle stammender etwas schmalerer Sturz, mit Rosette und Wappen (Hanau/Waldeck). Weitere Bauinschriften benennen die Jahreszahlen 1553 und 1580. Die älteren Teile werden auch hier Meister Asmus zugeschrieben (Dehio, Hessen, 1982, S. 796).

Würdigung

Schwarzenfels gehört zu den Beispielen der Anpassung einer mittelalterlichen Höhenburg an die Erfordernisse des neuzeitlichen Schlosses, wodurch die mittelalterliche Bausubstanz fast völlig überformt wurde. Der Bergfried wurde im 16. Jh. offenbar renoviert und behielt als Turm seine ursprüngliche Bedeutung.

Literatur, Quellen

Dehn-Rotfelser/Lotz, BDM Cassel, 1870, S. 256 f.

Landau, Ritterburgen IV, 1839, S. 291-298

Dehio, Hessen, 1982, S. 796

Tour de Burg, 1993, S. 273-275 (Text zu Schwarzenfels: Bert Worbs)

Knappe, Burgen, 1995, S. 371 f. (mit Grundriss-Skizze)