Steinbach, Schloss Fürstenau

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Infobox
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Entstehungszeit: 14. Jh.
Baumaßnahme: Mitte 15. Jh., um 1500, 1528 und 1542 Erneuerungen,
um 1588/90 Ausbau mit Schwibbogen, Turmhelm und Wendeltreppe
Bauherr: Erzbischof Gerhard von Mainz,
Philipp I. von Erbach,
Eberhard XIII. von Erbach,
Georg II. von Erbach,
Georg III. von Erbach
Eigentümer: Graf zu Erbach-Fürstenau
Ort: Michelstadt, Steinbach
Kreis: Odenwaldkreis
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Schloss Fürstenau. Graf zu Erbach-Fürstenau. Odenwaldkreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Bau des 14., Erneuerung in der Mitte des 15. Jh. (Philipp I.) sowie vermutlich um 1500 (Eberhard XIII.), 1528 und 1542 Erneuerungen (inschriftlich datiert, Georg II.). Zuletzt Ausbau mit Schwibbogen, Turmhelm und Wendeltreppe um 1588/90 (Georg III.).

Geschichte

Eine von Mainz gegründete Burg gelangte durch Verpfändung Mitte des 14. Jh. an die Grafen von Erbach, die seither in Fürstenau sitzen.

Baugeschichtliche Bedeutung

Die Schlossanlage befindet sich in der Flussaue unmittelbar westlich des Mümling, den eine Steinbrücke südlich des Schlosses überquert; neben der Brücke steht die Schlossmühle. Ein Wassergraben umschließt das längsgestreckte Burgareal aus drei Gebäudegruppen, das durch zwei weitere Gräben in die südliche, äußere Vorburg mit Marstall und Neuem Bau, in die nordwestliche innere Vorburg (Neues Palais, Beschließerei) und die nordöstliche Kernburg, das Alte Schloss (Mainzer Burg) getrennt wird. Das Kernschloss ist eine dreiflügelige Anlage um einen trapezförmigen, nach Westen offenen Innenhof. Die Flügel haben einschließlich des etwas vertieften unteren Geschosses vier Geschosse. An den vier äußeren Ecken überragen runde Türme die Baugruppe, unter denen der südwestliche (Uhrturm) etwas schlanker ist als die nördlichen, der südöstliche (Roter Turm) dagegen besonders dick und hoch. In den zwei Hofwinkeln stehen polygonale Treppentürme, von denen der südöstliche nicht nach außen vortritt. Das gesamte Mauerwerk besteht aus Bruchstein, mit Ausnahme des aus Quadern sehr sorgfältig gemauerten Südostturmes.

Die Umfassungsmauern gehören dem 14. Jh. an, für eine Datierung in das späte 13. Jh. fehlen die Anhaltspunkte, wie sowohl das Mauerwerk als auch die Reste des alten Hoftores (äußerer Anschlagfalz für einen Torflügel, Spitzbogen, Kehlenprofil) zeigen. Mittelalterliche Gebäudereste will Krebs im Südosten erkannt haben (Krebs, 1980, Baualtersplan), zudem muss es ein Wohngebäude im Nordwesten gegeben haben. Die Rundtürme erhielten Aufstockungen im späten 15. Jh., gekennzeichnet durch Rundbogenfriese als Abschlussgesims, die nördlichen Türme haben zudem einen Zinnenkranz. Krebs rekonstruiert eine spätmittelalterliche Burg mit vier ähnlichen Rundtürmen im Kastelltyp. Die Flügel hatten auf der Außenseite anstelle des 2. Obergeschosses einen Wehrgang mit Zinnen. In die Zeit um 1500 ist entgegen Krebs auch der Neubau des Südostturmes (Roter Turm) zu datieren, nur der Turmaufsatz mit der Bauinschrift von 1588 samt Meisterzeichen und Baumeister-Initialen („AF“) entstammt der Renaissance. Brenner (Breuberg, 2004, S. 39) identifiziert die Initialen mit Antonio del Fatto. Im gleichen Jahr wurde die Westmauer durch einen breiten Bogen ersetzt, ferner gehören die Vergrößerung der Fenster sowie die Ausstattung der teils neu aufgeteilten Räume der Renaissancezeit an.

Das Äußere erhält durch den großen Schwibbogen sowie den Aufsatz des Roten Turmes einen sehr modernen Eindruck, obwohl die Bausubstanz weitgehend mittelalterlich ist. Der Schwibbogen verbindet auf der Westseite Nord- und Südflügel miteinander und ersetzt in diesem Bereich die Ringmauer, von deren Tor noch ein Rest festgestellt werden konnte (Krebs, Steinbach, 1980, S. 27-29, s.o.), südlich das Burgtor und nördlich ein (ursprüngliches) schmales Fenster des 14. Jh., das – entgegen Krebs – die Existenz eines breiten Nordflügels voraussetzt. Dieser muss der Hauptflügel der mittelalterlichen Burg gewesen sein. Der Schwibbogen ist aus kleinen Bruchsteinen rundbogig aufgemauert und lässt fast die gesamte Westseite des Hofes frei. In Höhe des 3. Obergeschosses hat der Bogen eine Balustrade mit einer durchbrochenen Beschlagwerkbrüstung. Im mittleren Feld Doppelwappen (Erbach / Reuss-Plauen), darunter die Jahreszahl 1588 (3. Ehe Graf Georgs III. mit Dorothea von Reuss-Plauen, verheiratet 1587; Wappen bis 1591). Auf den Balustern zwischen den je zwei seitlichen Maßwerkfeldern stehen trompeteblasende Engel. Der Nordflügel ist, wie vor allem an der Außenseite zu erkennen ist, in seinen mittelalterlichen Teilen grundsätzlich zweiphasig. Die drei unteren Geschosse einschließlich des vorkragenden Wehrganges und die beiden Türme bis zur gleichen Höhe gehören der älteren Phase an, der Ausbau des Wehrganggeschosses zu einem Vollgeschoss und die Aufstockung der Türme bis zum Rundbogenfries der zweiten Phase; diese Phase ist im Innern durch die Wappen Erbach und Eppstein in die Zeit Philipps I. datiert (um 1440/60). Der Flügel hat im ebenerdig liegenden Untergeschoss eine dichte Gruppe aus sechs Öffnungen, einem segmentbogigen und einem gerade geschlossenen Fenster sowie zwei rundbogigen Portalen und zwischen ihnen zwei segmentbogigen Fenstern. Alle sind mit Falz und Rundstab profiliert. Zwischen den beiden segmentbogigen Fenstern die Jahreszahl 1528 und ein Steinmetzzeichen (zu den Steinmetzzeichen vgl. Krebs 1980). Vermutlich befand sich in diesem Sockelgeschoss die Küche. Im Hocherdgeschoss zwei hohe rechteckige Fenster, hier befindet sich ein den ganzen Flügel einnehmender Saal. Im 1. Obergeschoss sitzen rechteckige Fenster, mit Falz zwischen zwei Kehlen profiliert, ohne axialen Bezug zu den anderen Geschossen. Hier finden sich Reste von ornamentaler Architekturmalerei. Über einem Gesims, dessen Unterseite bemalt ist, kragt das 2. Obergeschoss vor, mit gekuppelten Fenstern (Holzfensterrahmen) versehen. Es handelt sich um ein Fachwerkgeschoss des 15. Jh., das den spätmittelalterlichen Wehrgang (Schlüssellochschießscharten in der erhaltenen Brustwehr) überbaut. Die westliche Giebelseite wird zur Hälfte durch einen hohen Rundturm verdeckt, dessen oberstes Geschoss auf einem Rundbogenfries vorkragt und mit Zinnen versehen ist, teilweise durch das oberste Geschoss des Nordflügels verdeckt. Am Hocherdgeschoss des Nordflügels kragt auf drei profilierten Konsolen ein Erker mit zwei profillosen, erneuerten Zwillingsfenstern vor, vermutlich um 1528 entstanden. Über den Fenstern Doppelwappen (Erbach/Wertheim); Pultdach. Das 2. Obergeschoss kragt auf einer dichten Reihe von Steinkonsolen vor, die an Balkenköpfe erinnern. Halbwalmdach.

Der Treppenturm im nordöstlichen Hofwinkel, um 1590, hat in den drei unteren Geschossen schräg nach rechts ansteigende gekuppelte Fenster mit Falz und Kehle. Ein schmales Gesims trennt das 3. Obergeschoss ab, dort sitzt ein rechteckiges Fenster (Fachwerk). Das Portal ist rundbogig in rechteckigem Rahmen aus Säulen auf Diamantquadersockeln und mit ionischen Kapitellen, Gebälk mit ornamentiertem (Beschlagwerk-) Fries. Auf dem Gesims gesprengter Dreiecksgiebel, in der Mitte Sockel mit Obelisk, seitlich je ein Obelisk. Hinter den Säulen Wandpfeiler mit rechteckiger, vertiefter Spiegelfläche, auf ihnen sitzt der Rundbogen des Portals auf. Im Scheitel Volutenkonsole, in den Zwickeln Beschlagwerkornamente. Die linksläufige Treppe hat eine Hohlspindel, die von abschnittsweise unterteilten runden, dünnen Pfeilern gestützt wird. Spindel und Handlauf werden von Steindocken verbunden, die gedrechselten Holzdocken nachempfunden sind. Die Unterseite ist mit Beschlagwerk verziert. Den oberen Abschluss der Spindel bildet eine flache, runde Trommel, auf der eine eingeschossige gerade Spindel für die Fortsetzung der Treppe in das oberste Geschoss steht.

Das Untergeschoss nahm im Bereich der Fenstergruppe (s. o.) die Küche auf, die aber schon im späten 16. Jh. in einen äußeren, in den Graben vorgeschobenen Anbau an der Nordseite verlegt ist, wie einerseits der große Durchgangsbogen des 16. Jh. und andererseits alte Abbildungen (Krebs, 1980) zeigen; im späten 19. Jh. wurde dieser Anbau weitgehend erneuert. Im Hocherdgeschoss befindet sich ein großer Saal mit einer barocken Stuckdecke aus dem späten 17. Jh. Der Erker zum Westgiebel hat Sterngewölbe mit Resten von ornamentalen Malereien, hier ist eine (mobile) Wappentafel mit dem Doppelwappen (Erbach / Hohenlohe) aufgehängt, es gehört zur um 1680 entstandenen Stuckdecke. An einem Fenster des 1. Obergeschosses befindet sich die Jahreszahl 1555. Der entsprechende Raum hat eine geometrische Stuckdecke. Der Grundriss lässt vier Räume vermuten; Krebs (Steinbach, 1980, Tf. 4: Baualtersplan) datiert nur die dünnen (hölzernen) Querwände in das 15. und 16. Jh. Der Turm hat im 2. Obergeschoss einen sterngewölbten Raum mit ornamentalen Malereien in zwei Farbschichten sowie dem Wappen Erbach/Eppstein im Schlussstein. Zur älteren Schicht gehört die Jahreszahl 1563 über einem Fenster (zumeist Blattranken). Das Portal zum Turmzimmer ist kielbogig in rechteckigem Rahmen, mit breiter Kehle profiliert. In den Zwickeln Doppelwappen, Erbach / Eppstein, was auf Philipp I. verweist (gestorben 1461). Das gleiche Wappen hat auch ein Kamin im 1. Obergeschoss am Sturz, einfaches, gestäbtes Gewände mit kleinen Sockeln. Damit sind zugleich die Aufstockung der Türme samt dem Rundbogenfries sowie der Umbau der Wehrgänge mit Schlüssellochscharten datiert. Das 1. Obergeschoss enthielt wenigstens ein Wohnappartement an der Westseite, das 2. Obergeschoss ein weiteres unter Einbeziehung des Turmes.

Der Ostflügel ist viergeschossig, zum Hof hin hat er in unregelmäßiger Verteilung ein- bis dreiteilige Fenster, u. a. mit Falz und Kehle profiliert (Hocherdgeschoss). In der Mitte des Hocherdgeschosses kragt zum Hof und nach außen jeweils ein Erker vor. Der Erker auf der Hofseite sitzt auf drei dreifach profilierten Konsolen und hat ein Kreuzgewölbe. Die beiden mittleren Teile seines vierteiligen Fensters sind etwas überhöht. Reste von ornamentaler Bemalung sind besonders über dem rechten Fensterteil erkennbar: rote und weiße Farbe, vielleicht noch ein gemaltes Kapitell rechts oben. Für den Erker zum Hof bildet Schaefer (KDM Erbach, 1891, S. 112) eine Bauinschrift 1528 über den Fenstern ab. Im Hof steht heute unter dem Erker ein reliefiertes Doppelwappen, zwei Löwen halten die Wappen (Erbach / Reuss-Plauen). Das Wappen stammt vom 1809 abgebrochenen Tor, das um 1590 errichtet worden war. An der Außenseite wird der ursprünglich offene Wehrgang mit Schlüssellochscharten und Wasserspeiern besonders deutlich. Die drei oberen Geschosse haben insgesamt fünf Erker. Im Hocherdgeschoss befindet sich nördlich ein auf zwei sphärischen Viereckkonsolen sitzender Erker mit Blendmaßwerkbrüstung, der Kapellenerker sowie etwa in der Gebäudemitte ein Erker auf zwei Konsolen, die denen des hofseitigen Erkers von 1528 entsprechen. Das Traufgesims dieses sterngewölbten Erkers besteht aus offenbar wiederverwendeten Steinen mit einer Inschrift von 1492, die von Krebs (Steinbach, 1980, S. 51) für den Kapellenerker in Anspruch genommen wird, den Formen nach kann dies zutreffen. Südlich folgen drei Aborterker, einer davon im unmittelbaren Anschluss an den Roten Turm ist durch die dortige Inschrift von 1542 als nachträglich zu bestimmen.

Die Räume im Innern reihen sich ohne Flure aneinander, vom Wehrganggeschoss abgesehen, das im 2. Obergeschoss auf der Außenseite von Nord- und Ostflügel den umlaufenden Wehrgang besitzt (s. Krebs, Steinbach, 1980, Tf. 1-4). Der Raum im Hocherdgeschoss mit den beiden Erkern wird von Schaefer und Krebs als markgräfliches Zimmer bezeichnet. Der ursprüngliche Grundriss ist gegenwärtig nicht zu klären, da vor allem im 18. Jh. weitgehende Umbauten stattgefunden haben. Im 1. Obergeschoss muss sich ein repräsentativerer Raum befunden haben, der wohl schon 1492 mit dem Kapellenerker ausgestattet wurde, im südlichen Teil des Grundrisses finden sich neben einem weiteren Erker (von 1528) zwei Aborte, einer in Verbindung mit dem Roten Turm (dortiger Türeinbruch von 1542) stehend.

Der Südflügel ist in seinem Äußeren wenigstens teilweise dem Nordflügel angeglichen, giebelseitig kragt das oberste der vier Geschosse leicht vor, hier auf einem Kehle-Gesims, der Giebel ist über dem unteren Giebelgeschoss abgewalmt. Etwa ein Drittel der westlichen Giebelseite wird von dem runden Südwestturm verdeckt, dessen oberstes Geschoss achteckig etwas über einem Rundbogenfries aufsetzt, das Geschoss selbst ist aus Fachwerk. Die Fensteraufteilung ist unregelmäßig, zumeist handelt es sich um gekuppelte Zwillingsfenster.

Vor der Hoffront befindet sich eine Freitreppe des 18. Jh. mit barocken Balustern, durch ein Vordach geschützt, das den unteren Teil der Hoffassade verdeckt. Innen im Winkel zwischen Süd- und Ostflügel ein Treppenturm mit runder Spindel, 15. Jh. Im Innern weisen die drei unteren Geschosse des Südflügels eine kräftige Quermauer auf. Die Rekonstruktion eines Wohnturmes (Krebs 1980) ist jedoch unbelegt und unwahrscheinlich, tatsächlich ist von einem zweiteiligen Wohnbau auszugehen; der westliche Raum hatte wenigstens im 1. Obergeschoss einen Aborterker. Die heutigen Fachwerkwände sind Einbauten des 18. und 19. Jh.

Der Rote Turm ist durch Höhe und Durchmesser besonders hervorgehoben und hat die Funktion eines Bergfriedes beziehungsweise Schlossturmes. Er ist südöstlich an den Südflügel angefügt und unterscheidet sich durch sein sorgfältiges Quadermauerwerk vom übrigen Schloss deutlich. Wohl zu Recht vermutet F. Krebs an der Stelle des Turmes einen schlankeren Vorgänger (Krebs 1980, Pläne; dem folgend Biller 2005). Er ist einschließlich des tiefen Erdgeschosses sechsgeschossig sowie mit einem Aufsatz versehen. Das Untergeschoss und das Hocherdgeschoss haben nachträglich Rechtfenster anstelle älterer Schlitzfenster oder Schießscharten erhalten, das 1. und das 2. Obergeschoss haben ursprüngliche Rechtfenster unter Entlastungsbögen. Über einem Rundbogenfries kragt ein nachträglicher achteckiger Aufbau leicht vor. Der Sockel des Achtecks ist als profiliertes Gesims ausgebildet und mit Karnies, Zahnschnitt und Karnies versehen. Darüber massive Brüstung und Laufgang mit vier rundbogigen, rustizierten Öffnungen zu den Hauptrichtungen. Krebs führt (S. 54) die Jahreszahl an der Innenseite einer Tür im 1. Obergeschoss an, die ältere Literatur (vgl. Krebs, S. 54) nennt Daten in den 1530er Jahren, jedoch ohne sicheren Beleg. Tatsächlich datiert die Jahreszahl von 1542 aber nur den nachträglichen Zugang aus dem zum Wohnraum umgebauten 1. Obergeschoss in einem neuen Abort. Der Turm dürfte bereits um 1500 entstanden sein.

Im 1. Obergeschoss hat der Turm einen polygonalen, ornamental und figürlich ausgemalten Raum. In dieses „Strebkazzimmer“ führt ein segmentbogiges, profiliertes Portal, das Gewände seitlich mit von Kreisen unterbrochenen, vertieften Spiegeln versehen. In der Türnische grüßt ein Narr den Hereintretenden. Die Malerei besteht aus Rankenwerk mit Masken und Darstellungen von Landsknechten, darunter zwei, die das „Strebkazspiel“ spielen, ein Kampfspiel, bei dem zwei knienden Landsknechten eine Schlinge um den Hals gelegt ist und sie versuchen müssen, den jeweils anderen zu sich zu ziehen. In der Mitte zwischen beiden steht ein brodelnder Kessel (freundlicher Hinweis Alfreds Graf zu Erbach-Fürstenau, der den Verfasser auch ausführlich durch das Schloss führte). Eine rechteckige mit einfacher Kehle profilierte Tür ist mit der Jahreszahl 1542 bezeichnet, die das gräfliche Wappen rahmt. Die Jahreszahl wird von Dehio (Dehio, Hessen, 1982, S. 833) als Baujahr des Turmes in Anspruch genommen, ältere Autoren nennen das Jahr 1531 als Baubeginn (Schaefer, KDM Erbach, S. 109; vgl. Krebs, Steinbach, 1980, S. 54). Tatsächlich führt die Tür zum Abort, der nachträglich angefügt wurde, es handelt sich also um die Datierung eines Umbaues.

Erste Vorburg. Der Nordflügel (Beschliesserei) ist ein zweigeschossiges Gebäude, mit der Traufe zum Hof gewandt. Massivbau verputzt. Giebelseitig zwei, traufseitig fünf Fensterachsen, gekuppelte Zwillingsfenster mit Falz und Kehle, traufseitig über der Mittelachse Zwerchgiebel. Giebel zweigeschossig, das kleine Obergeschoss mit rundem Flugloch, Halbkreisaufsatz. Die Geschosse durch Gesimse getrennt, Beschlagwerkrahmung. Vollgeschoss des Zwerchgiebels von Lisenen gerahmt, Brüstungszone durch Gesims abgeteilt, seitlich je ein diamantierter Sockel. Abschließendes Gesims mit Lisenen verkröpft. Darüber zwei kleine Geschosse mit Rechteckfenster beziehungsweise rundem Flugloch, seitlich von Lisenen und Voluten beziehungsweise einfachen Schrägen gerahmt, im unteren Geschoss mit Rosetten. Halbkreisabschluss mit Rosette, seitlich und oben Kugeln. Nach Krebs (Steinbach, 1980, S. 58) um 1590 entstanden.

Den Westflügel bildet das barocke Neue Palais, an dessen Stelle unter Graf Georg III. ab 1587/88 eine Schlosskapelle errichtet worden war; dort fand Steinmaterial der Klosterkirche Steinbach Verwendung (Krebs 1980, S. 57). Zweite (äußere, südliche) Vorburg. Gebäude der südlichen Vorburg mit rundbogigem Portal mit fünf leicht vorkragenden Steinen, über dem Portal Doppelwappen Graf Georgs III. (1548-1605 war seine Regierungszeit), axial darüber gekuppeltes Zwillingsfenster mit Falz und Kehle.

Südöstlich zweigeschossige Mühle mit breitem Giebel mit Beschlagwerkzwickeln an einem Stufengiebel. In der Mitte des unteren Giebelgeschosses Doppelwappen Graf Georgs III.

Würdigung

Obwohl die mittelalterliche Burg des 14. Jh. in ihren Außenmauern sicher zu 80 Prozent erhalten geblieben ist, haben wir es infolge der Umbauten doch mit einem bedeutenden und typischen Renaissanceschloss zu tun. Dazu tragen vor allem der Schwibbogen anstelle der früheren Westmauer und der im Innern sehr aufwendige Treppenturm bei, aber auch die Ausgestaltung etlicher Räume im Hauptgeschoss sowie der Aufsatz des Roten Turmes. Dieser Turm war um 1500 errichtet worden, und wurde bereits nach kurzer Zeit zu einem bewohnbaren Bauteil umgebaut; 1588 erhielt er zudem einen repräsentativen Turmaufsatz – das Sehen und Gesehenwerden stand im Vordergrund vor militärischen Belangen.

Literatur, Quellen

Archivalien und historische Abb. s. Krebs, Steinbach, 1980, S. 102-185

Schaefer, KDM Erbach, 1891, S. 107-120

Bronner, Odenwaldburgen, 1924, S. 119-128

Röder/Krebs, Fürstenau, 1976

Krebs, Steinbach, 1980

Dehio, Hessen, 1982, S. 833 f.

Brenner, Breuberg, 2004, S. 37 u. 39

Biller, Odenwald, 2005, S. 177-180