Tann, Schloss

Aus Burgen & Schlösser
Wechseln zu: Navigation, Suche
Infobox
144 SL 02 TAN 1202 08.jpg
Baumaßnahme: 1558 Rotes Schloss,
1591 Erweiterung des Roten Schlosses,
1716 Blaues Schloss,
1714 Gelbes Schloss
Bauherr: Herren von Tann
Eigentümer: Privatbesitz
Ort: Tann
Kreis: Fulda
Markierung
Hessenmap.png


144 SL 01 TAN 1202 03.jpg
144 SL 03 TAN 1202 12.jpg
144 SL 04 TAN 2285 70.jpg


Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Rotes, Gelbes und Blaues Schloss. Privatbesitz. Kreis Fulda.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Herren von Tann. Rotes Schloss 1558, erweitert 1591. Blaues Schloss 1716. Gelbes Schloss 1714 vollendet.

Geschichte

Die seit dem 14. Jh. aus drei Linien bestehenden Herren von der Tann unterstanden der Lehnsherrschaft des Stiftes Fulda, konnten jedoch schon im 14. Jh. weitgehende Selbständigkeit erreichen, 1540 wurde die Reformation von ihnen eingeführt.

Baugeschichtliche Bedeutung

Um einen Innenhof gruppieren sich das Rote, Blaue und Gelbe Schloss. Das Rote Schloss ist der stadtseitige Flügel, der die Tordurchfahrt mit einschließt, angefügt ist das winkelförmige Blaue Schloss von 1716 (Dehio, Hessen, 1982, S. 843) mit einem stadtseitigen polygonalen Turm der Renaissancezeit. Der rückwärtige Flügel, das Gelbe Schloss, ist ein Neubau von 1699-1714 (Dehio, Hessen, 1982, S. 843, Inschrift von 1714). Rotes Schloss. Dreigeschossiger Massivbau mit polygonalem Turm auf der Stadtseite sowie hofseitigem runden Treppenturm. Auf der Stadtseite unregelmäßige Fensteraufteilung: 1. Obergeschoss mit zehn, 2. Obergeschoss mit neun Fenstern. Etwa in der Mitte befindet sich im Erdgeschoss ein segmentbogiges Portal (unprofiliert, barock). Im Erdgeschoss barocke Einzelfenster. Im 1. Obergeschoss rechts des Portals sowie im 2. Obergeschoss gekuppelte Zwillingsfenster, mit Falz und Karnies auf kleinen Voluten profiliert, im 1. Obergeschoss sonst Einzelfenster, deren seitliche Gewände mit Falz und Kehlen profiliert sind, der Sturz dagegen glatt, offenbar wurden die Fenster verändert. Auf der Stadtseite links springt ein polygonaler verputzter Fachwerkturm vor, die Obergeschosse auf profilierten Gesimsen vorkragend, 16. Jh., mit Segmentbogenfenstern des 18. Jh. Durchfahrt mit gedrücktem Bogen mit Flachrustika, in rechteckigem Rahmen, über dem Portal Wappenstein, bezeichnet „1689 HEINRICH VON VND ZV DER TANN“. Zu diesem Zeitpunkt gehört das Rote Schloss also der jüngeren Linie der Herren von und zu Tann.

Die Hofseite wird von dem runden Treppenturm unterteilt, der das Gebäude um ein Geschoss überragt. Er hat Kreuzstockfenster, mit Kehle profiliert. Die Fensterstürze kragen in ihrem oberen Teil vor und leiten in das Rund des Turmes über. Direkt links neben dem Turm befindet sich im 1. Obergeschoss ein einfaches, im 2. Obergeschoss ein mit Vorhangbogen versehenes Fenster, links daneben senkrechte Baunaht, die sich im leichten Vortreten der links anschließenden Wand äußert. Zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss befindet sich ein Wappenstein, bezeichnet „HANS HEINRICH VND ALEXANDER VON DER THAN GEBRVDER ANNO 1591“, darunter die Wappen Tann/ Riedesel /Tann. Das rechte Wappen ist etwas kleiner und besser erhalten. Reste einer Inschrift über den Wappen „A V D [T] [U] R Z E.“ Es handelt sich um Alexander von der Tann und seine Gemahlin Ursula Riedesel zu Eisenbach. Alexander ist Neffe Christophs, der das Blaue Schloss errichten ließ, Hans Heinrich sein unvermählter Bruder.

In den Treppenturm führt ein rechteckiges Portal mit gestäbtem Gewände, der Sturz springt segmentbogig vor und leitet in die Turmrundung über, an ihm Wappen Tann und Schenk zu Schweinsberg sowie ein leeres geschwungenes Schriftband in spätgotischer Tradition, zeitgleich mit dem Wappenstein. Links darüber kragt auf einer vierfach abgestuften Konsole ein rechteckiger Wappenstein vor, mit dem Doppelwappen „EBERHART VON VND ZV DER THAN“ (1495-1574) und „ANNA GEBORENE SCHENCK ZU SCHWEINSBERCK“, bezeichnet 1558, das Wappenfeld wird von zwei kannelierten Säulen gerahmt. Ornamentierter Halbkreisaufsatz mit einer Figur in flachem Relief. Die Wendeltreppe ist linksläufig, die Spindel gerade und unprofiliert. Der Sockel auf Höhe der ersten fünf Stufen ist mit Rundstab, gedrehter Schnur, Wulst, Karnies und gedrehten Kanneluren versehen. Zum 1. Obergeschoss führt ein segmentbogiges Portal, Gewände mit Fasen, seitlich und im Sturz mit Anklängen an gestäbte Gewände (stichbogig, umgebaut). Fenster am Treppenturm zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss innen mit Kehle und kleiner doppelter Blüte am unteren Ende des Profils. Die Baudaten 1558 und 1591 an den beiden Bauteilen spiegeln den zeitlichen Abstand zwischen den Detailformen wieder. Zum Wappenstein von 1558 gehört das Portal des Treppenturms, hierzu passen die Fenster, das Vorhangbogenfenster und damit der gesamte Bauteil, dementsprechend gehört zum jüngeren Baujahr der übrige Bauteil des Schlosses. Im Innern äußert sich die Baunaht durch eine kräftige Quermauer im Erdgeschoss neben dem Flur, der vom Treppenturm ausgeht. Auf der Stadtseite gehören im 2. Obergeschoss noch das Fenster über dem Portal (das am Ende des vom Treppenturm ausgehenden Flures liegt) sowie das 1. Fenster links daneben zum jüngeren Bauteil, die übrigen (veränderten) Fenster entsprechen den Kreuzstockfenstern des Treppenturms (1558).

Turmbau des Blauen Schlosses. Der Turm ist polygonal, dreigeschossig mit hohem Untergeschoss. Das Hocherdgeschoss und das 2. Obergeschoss kragen vor, letzteres auf eng gestellten Steinkonsolen. Das 2. Obergeschoss aus Fachwerk, heute verputzt. hier mit hölzernen Fenstergewänden. Von den drei dem Schlosstor beziehungsweise der Durchfahrt zugewandten Seite des Turmes sind die mittlere und die rechte Seite im Hocherdgeschoss mit je einem Fenster versehen, in der mittleren befinden sich unter den Brüstungen Inschrifttafeln, an den Ecken je acht Wappenreliefs. Die rechte Seite hat unter dem Fenster des 1. Obergeschosses ein reliefiertes Wappen. Die Fenster sind mit Falz und Kehle profiliert, das Fenster des Hocherdgeschosses an der mittleren Seite hat in der Kehle ein Flechtband.

Bei den Wappen handelt es sich um, links von oben: 1. THAN, 2. MANSBACH, 3. STEIN, 4. TRVBENBACH (Trümbach), 5. GORCZ (Görtz), 6. BREN (Brenden), 7. BRON (Brunn zu Münnerstadt, Sturm, Altkreis Fulda, 1989, S. 864), 8. SCHENCK (zu Schweinsberg). Rechts von oben: 1. WEYARS, 2. MERLAW, 3. WEYERS, 4. LIDERBACH, 5. KETTEN, 6. STEINROCK (Steinau gen. Steinrück), 7. VÖLCKERSHAVS, 8. ROLCZHAVSEN. Es handelt sich somit um die Genealogie von Christoph von Tann (1514-1575) und seiner Gemahlin Anna von Ebersberg gen. Weyers. Die Inschrift unter dem Fenster im 1. Obergeschoss bezieht sich auf dieses Ehepaar: „FILII ET FILIAE CHRISTOPHORI A THAN ET ANNAE CVNIGVNDIS CONIVGIS SVAE NATAE EX FAMILIA WEYERS“, „A(malia) SIBILLA EYTEL MELCHIOR KVNIGVNDIS CHRISTIANA GEORGIVS FRIDERICVS“. Die Inschrift unter dem Fenster im Hocherdgeschoss benennt die Familie Melchiors (geboren vor 1451, gestorben 1524) und seiner Gemahlin Margaretha von Mansbach; Christoph erscheint hier als 17. Kind: „FILII ET FILIAE MELCHIORIS VON DER THAN ET MARGARETHAE CONIVGIS SVAE NATAE EX FAMILIA MANSBACH 1. MARTINVS 2. ELISABETHA 3. EBERHARDVS 4. KATHARINA 5. CONRADVS 6. ANNA 7. GEORGIVS 8. FRIDERICVS 9. ALEXANDER 10. ELISABETHA 11. CONRADVS 12. WENDELINVS 13. CAROLVS 14. DOROTHEA 15. VRSVLA 16. GEORGIVS 17. CHRISTOPHORVS“. Das Inschriftfeld wird seitlich und oben von Eierstab gerahmt, seitlich in einer Art Sockelzone von schräg geschnittenen Perlstäben und Rautenmuster. Zwischen Inschriftfeld und Fenster ein Gesims mit Liliendekor.

Über dem Fenster befindet sich eine Bauinschrift auf dem Gewände „IN NOMINE TVO SALVATOR IESV CHRISTOPHEL VON DER THAN ZVNN KETTEN FIERI FECIT 1574“. Unter dem Inschriftfeld befindet sich noch ein Schriftband, bezeichnet: „PS 128 ECCE SIC BENEDICETVR HOMO QVI TIMET DOMINVM“.

Auf der rechten Seite unter dem Fenster des 1. Obergeschosses Wappen von Ketten in rechteckigem Feld.

Die beiden Flügel des Blauen Schlosses sind im übrigen viergeschossig, sie sind völlig umgebaut, Fenster rechteckig ohne Profile, Portal mit Segmentbogengiebel.

Würdigung

Die weitgehende barocke Erneuerung haben vor allem die Türme mit ihren Wappendarstellungen überstanden, die ein typisches genealogisches Adelsprogramm des 16. Jh. beinhalten und in dieser umfangreichen Form einmalig in Hessen sind. Daraus lässt sich erkennen, dass das Blaue Schloss von der älteren Hauptlinie und das Rote Schloss von zwei im frühen 17. Jh. wieder erloschenen Seitenlinien ausgebaut und bewohnt wurden, das Gelbe Schloss mag dementsprechend von der jüngeren Hauptlinie benutzt worden sein.

Literatur, Quellen

Biedermann, Geschlechtsregister Rhön Werra, 1749, Tf. 182-185 (CLXXXII-CLXXXV)

Sturm, Altkreis Fulda, 1962, S. 538 f.

Dehio, Hessen, 1982, S. 843

Sturm, Altkreis Fulda, 1989, S. 861-865 (2. erw. Aufl.)