Waldeck, Burg

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Baumaßnahme: ab 1500, um 1544 und um 1577 Ausbau,
1621-24 und 1637 weiterer Ausbau,
1734 Abbruch des südlichen Flügels bis auf Reste
Bauherr: Grafen von Waldeck,
Heinrich VIII. von Waldeck,
Philipp IV. von Waldeck,
Daniel von Waldeck
Eigentümer: Karl und Renata Isenberg
Ort: Waldeck
Kreis: Waldeck-Frankenberg
Markierung
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Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Hotel Schloss Waldeck. Karl und Renata Isenberg. Kreis Waldeck-Frankenberg.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

Grafen von Waldeck, mittelalterlicher Kern. Ausbau ab 1500, um 1544 und um 1577. Bauherren waren Heinrich VIII. (Nordflügel, ab 1500) sowie Philipp IV. und Daniel, bis 1577. In Verträgen der beiden Linien geht es 1513 um den Bau von Befestigungen, 1525 um die Nutzung der Tore und des Brunnens, 1543 um Bau und Erhaltung des obersten Tores (Ganssauge/Kramm/Medding, BKDM Eder, 1960, S. 283). Weiterer Ausbau 1621-24 und 1637. 1734 Abbruch des südlichen Flügels bis auf Reste.

Geschichte

Durch Heirat gelangte die Burg von den Grafen von Ziegenhain an die Grafen von Schwalenberg (heute in Lippe), die sich 1189 erstmals Grafen von Schwalenberg und Waldeck nannten. Ab 1228 gab es eine Linie, die sich nur noch als Grafen von Waldeck bezeichnete. 1397 spaltete sich die Familie in zwei Linien auf, die bis 1607 gemeinsam auf der Burg saßen. Die Eisenberger Linie bewohnte den südlichen, die Wildunger Linie den nördlichen Flügel, sie wurde 1607 Alleinbesitzer. Bis 1665 Residenz. 1634 Eroberung durch schwedische Truppen.

Baugeschichtliche Bedeutung

Längliche Höhenanlage um einen nach Osten keilförmig zugespitzten Hof. Ostspitze, Südflügel und Südwestflügel, letztere beide weitgehend abgebrochen, bildeten die Eisenbergische Burg, der Nordflügel die Wildunger Burg. Der Hof wird östlich durch den Bergfried begrenzt, an den sich östlich noch der Küchenbau des Eisenberger Flügels anschließt, und westlich vom Torhaus. Der Torweg umzieht auf der Süd- und Westseite in einem weiten Halbkreis die Burg. Westlich gibt es ein erstes und nordwestlich ein zweites Tor, an diesem setzt eine Vorburg (mit Brunnen) an.

Das äußere Tor hat einen gedrückten Rundbogen mit Fase, im Scheitel 1637 bezeichnet, darüber horizontales Karniesgesims und unverzierter Dreiecksgiebel, dieser MDCCCXXX (1830) bezeichnet. Das Tor ist zwischen den steilen Felsen sowie talseitig einen zweigeschossigen Rechteckturm eingezwängt, der Turm hat im Obergeschoss nach allen Seiten je zwei tief in das Mauerwerk eingeschnittene, dreifach abgestufte Schießscharten für Hakenbüchsen. Der untere Teil des Turmes besteht aus Sandstein, der obere aus Kalkstein (Grundriss und Schießscharten s. Ganssauge, BKDM Eder, 1960, S. 288). Der Torweg wird noch vor dem Tor durch den Westflügel der Burg beherrscht, der unmittelbar oberhalb des Tores auf dem Felsen sitzt (s. u.). Nach Varnhagen (Regentengeschichte, 1825, S. 122) handelte es sich um eine Zugbrücke.

Die Zufahrt zwischen dem äußeren Tor und dem Zwischentor weist mehrere sorgfältige Abarbeitungen des Felsens auf, auch einige Unregelmäßigkeiten in der äußeren Mauer, die den Torweg einfasst, so dass hier möglicherweise auch noch überdachte Torgebäude gestanden haben könnten.

Das zweite Tor ist rundbogig und mit einem flachen Dreiecksgiebel versehen, es sitzt zwischen dem Felsen und der talseitigen Mauer, die eine Torgasse vom ersten Tor bis hier bewirkt; eine seitliche Falz erweckt den Eindruck als könne es sich um eine Zugbrücke gehandelt haben, doch ist der Befund nicht eindeutig. Laut Varnhagen (Regentengeschichte, 1825, S. 122) wurde es einer Inschrift zufolge 1544 erbaut, 1755 jedoch grundlegend erneuert (Jahreszahl). Hinter dem Tor öffnet sich nach links (Norden) die Vorburg. Hier steht ein rechteckiges Brunnenhaus aus der Mitte des 16. Jh., eingeschossig. Gekuppelte Zwillingsfenster mit Kehle. Der Brunnenschacht hat eine Tiefe von rund 120 Metern. Bis zum 16. Jh. muss die Burg durch Zisternen versorgt worden sein.

Das rundbogige Haupttor in einer gleichfalls rundbogigen Nische befindet sich innerhalb eines großen viergeschossigen Torhauses aus Bruchstein. Das Tor ist 1756 datiert, das Gebäude stammt im Kern aber wohl aus den Jahren 1543/44 (Zeichnung von 1620 im Staatsarchiv Marburg, s. Ganssauge, BKDM Eder, 1960, Tf. 90 u. S. 283), wurde 1733 zu einem Torflügel ausgebaut und 1810 nochmals erweitert (ebd., S. 284 f.).

Der Nordflügel ist zweigeschossig, seine Fassade wird durch einen polygonalen Treppenturm geteilt. Links von ihm fünf, rechts zwei Fensterachsen, Kreuzstockfenster mit Falz und umlaufender Kehle. Die Geschosse werden von einem am Treppenturm nach oben verspringenden Gesims gegliedert, das nur dort an der Unterkante durch einen Rundstab hervorgehoben ist, der an den Ecken des Turms überkreuzt ist. Es handelt sich hier jedoch nicht um einen altersmäßigen Unterschied zum übrigen Flügel, sondern um die Hervorhebung des aus Quadern gemauerten Treppenturms gegenüber dem Putzbau. Links neben dem Treppenturm nachträglicher Kellerhals aus dem späteren 16. Jh. Die Steine des Treppenturms haben durchgängig Zangenlöcher, die ursprünglichen Öffnungen sind ohne eigene Gewände durch Fasen aus den Quadern herausgearbeitet. Der Kellereingang ist zwar später angesetzt worden, doch war ursprünglich bereits ein entsprechender Vorbau vorhanden, denn das Sockelprofil des Treppenturms bildet eine Verzahnung. Westlich nahe der Torzufahrt Kielbogenportal. Der Kielbogensturz von 1544 an dieser Stelle wohl nachträglich eingesetzt, er durchbricht das Sockelgesims des Gebäudes.

Der zweigeschossige Treppenturm hat ein spitzbogiges, gestäbtes Portal mit Eselsrückenbogen (in der Spitze ein Steinmetzzeichen) und Doppelwappen (links Runkel / rechts Waldeck), Heinrich VIII. von Waldeck (1465-1513) und Anastasia von Runkel, was eine Bauzeit zwischen 1492 (Hochzeit) und 1507 (Wechsel nach Wildungen), spätestens 1513 nahelegt. Direkt darüber Wappenstein von 1577 (bezeichnet AB; Andreas Herber, Wappen Daniel Graf zu Waldeck und Barbara, geb. Landgräfin von Hessen, Inschrift s. Ganssauge, BKDM 1960, S. 290), Hermenpilasterrahmung und Dreiecksgiebel. Über dem Gesims ein weiteres Doppelwappen (Philipp IV. von Waldeck / Margarete von Ostfriesland), mit Hermenpilasterrahmung und Dreiecksgiebel (Gedenkinschrift auf den Tod des Grafen 1574, s. Ganssauge, BKDM Eder, 1960, S. 290 und Varnhagen, Regentengeschichte, 1825, S. 127). An der links angrenzenden Polygonseite rechteckiger Wappenstein von 1500 (Heinrich VIII. zu Waldeck / Anastasia von Runkel), Treppenturm mit Quadermalerei. Die jüngeren Wappen sind nachträglich eingesetzt, der Treppenturm ist ab 1500 entstanden, Varnhagen überliefert dazu die Bauinschrift mit der Nachricht des Baubeginns um 1500 (Varnhagen, Regentengeschichte, 1825, S. 127). Auf der Rückseite ist der Nordflügel dreigeschossig. im Untergeschoss kleine Rechteckfenster, über dem Gesims Obergeschosse mit Kreuzstockfenstern.

Auf der Ostseite kräftiger, dem Nordflügel nachträglich vorgestellter, runder Batterieturm mit flachen, segmentbogigen Maulscharten für kleine Geschütze, südlich daneben doppelte gerundete Bruchquadermauerung mit Schlüssellochschießscharten als bastionsartige Verstärkung des Ostflügels, etwas älter als das Rondell. Der Nordflügel erscheint auf der Außenseite dreigeschossig, das Sockelgeschoss, sehr hoch mit schlanken Schlitzfenstern, ist durch ein Sockelgesims und durch ein Kaffgesims ausgeschieden, und darüber zwei Geschosse mit Kreuzstockfenstern entsprechend dem Befund im Hof. Bruchsteinmauerwerk, teilweise Bruchquader. Offensichtlich ist der Nordflügel gegen den älteren Batterieturm gemauert.

Das Kellergeschoss hat einen vierjochigen Raum, in denen der Kellerhals hinunterführt, Mittelpfeiler aus Quader, östlich zwei Kreuzgratgewölbe, westlich ein Tonnengewölbe mit zwei Stichkappen, dieses Tonnengewölbe sitzt auf einer Trennmauer zum westlich anschließenden Kellerraum auf. Dieser westliche Kellerraum hat wiederum einen quadratischen sorgfältig gemauerten Mittelpfeiler, Quader mit Randschlag, drei konsolartig vorkragende Steine nach Süden. Hierbei dürfte es sich um eine ältere Küchenkonstruktion gehandelt haben. An diesen Pfeiler münden große rundbogige Arkaden, die das Kreuzgratgewölbe teilen und unterstützen, nochmals späterer Einbau ist die heutige Küchenanlage mit segmentbogigen Schwibbögen und Funkenschirm. In diesem Küchenraum gibt es auf der Nordseite, innenseitig an der Außenmauer, die Spur eines früheren Gewölbeeinsatzes eines mindestens zweijochigen Raumes (überschnitten durch den heutigen Hoteleingang), die sich auf keine der Befunde im Raum bezieht. Es ergibt sich folgende Bauabfolge: 1. Älterer Teil der Nordmauer mit Gewölbeansätzen. 2. Quadratischer Quaderpfeiler mit früherer vermuteter Terminkonsole. 3. Rundbogenarkaden und heutige Gewölbe, also heutiger Kellerraum. 4. Heutiger Kücheneinbau der Zeit um ca. 1600. Die nachträglich an den Mittelpfeiler angesetzten großen Bögen unterscheiden sich nochmals, der Längsbogen hat eine Fase, die beiden Querbögen keine, letztere beziehen sich auf den nachträglichen Treppeneinbau zum Obergeschoss. Die Jahreszahl 1543 kann sich nicht auf die älteste Substanz beziehen, sondern auf die zweite oder dritte Phase, wobei sie den Baufugen nach eher der zweiten Phase zuzuordnen wäre, der unterschiedlichen Steinbearbeitung nach eher einer dritten. Die Pfeiler beider Keller passen zeitlich gut zusammen.

Das Erdgeschoss hat im östlichen Teil einen zweischiffigen Raum mit Mittelpfeilern, die übrigen Teile des Flügels sind modern ausgebaut. Die Ostteile des Schlosses sind als unregelmäßige Baugruppe um den runden Bergfried herumgebaut, die Hoffronten weitgehend erneuert. Am Ostflügel Tor mit Diamant- und Kissenquadern, bezeichnet 1621, dahinter ein tonnengewölbter Raum mit zwei Stichkappen zu jeder Seite, rechts spitzbogiges Türgewände, wohl 16. Jh. mit Fase, rückseitig Nische und jüngeres Portal. Der stark erneuerte Ostflügel, der sich winklig nach Süden fortsetzt, verbaut den nördlich von ihm stehenden Bergfried.

Das Obergeschoss des östlichen Baues ist zu einer Cafeterrasse verändert, das Obergeschoss des südöstlichen Baues ist neu. Das Erdgeschoss beider Bauteile ist mit Kreuzgratgewölben überwölbt, im Ostbau befindet sich die Schlossküche mit unregelmäßigem, mit Bogen versehenem Herdteil und im Südostbau befindet sich ein quadratischer Saal. In den Küchenbau führt ein rundbogiges Tor mit Diamantquadern und Rundquadern mit beschlagwerkartiger Verzierung, im Scheitel bezeichnet 1621. Das Innenportal mit gestäbter Rahmung ist „Phi der Elter G Z W 1543“ bezeichnet. Der Raum enthält zwei runde Stützen, die eine davon dient zugleich als Eckstütze des Rauchfangs (s. BKDM, S. 292, Tf. 93). Der Saal im Südostbau hat eine achteckige Mittelstütze sowie Wandpfeiler, das spitzbogige Portal ist gestäbt und mit dem waldeckschen Wappen versehen.

Der Bergfried, aus sorgfältigen Quadern gemauert, gehört wohl erst dem 15. Jh. an. 1745 Ausbau zum Archivturm, die dazu eingebaute hölzerne Wendeltreppe befindet sich seit 1952 in Spangenberg (Ganssauge, BKDM Eder, S. 284 u. 291). 1952 Einbau eines Wasserbehälters. Der Südflügel ist weitgehend zerstört und als Terrasse ausgebaut. Erhalten blieben Teile des Südwestflügels, dessen Westspitze sich nahe dem äußeren Tor befindet (s. o.), hofseits mit einem polygonalen, viergeschossigen Treppenturm (Uhrturm), durch ein umlaufendes Geschossgesims mit überkreuzten Rundstäben in zwei Teile geteilt. Er hat einfache rechteckige Fenster, im unteren Geschoss mit Falz, oben mit Fase, deren Profil nicht ganz umläuft. Spitzbogiges, gestäbtes Portal, etwas über dem Sturz ein kleines Gesims. Der Flügel hat zwei Steingeschosse und ein Fachwerkgeschoss, das obere Steingeschoss auf der Außenseite über dem Torweg mit älteren gekuppelten, rundbogigen Fenstern mit Falz, spätestens aus dem 15. Jh., Kalkstein, sowie als nachträgliche Einbauten gekuppelte Fenster mit Sandsteingewänden, 16. Jh. Ein Schlossaufriss von 1620 (StAM, s. Ganssauge, BKDM Eder, 1960, Tf. 90) zeigt den Südflügel zweigeschossig mit zwei Treppentürmen, teilweise (westlich) mit Untergeschoss.

Im obersten Geschoss des hohen Südwestflügels neben dem Tor finden sich im Inneren die Konsolen der ursprünglichen Balkenlage sowie im Mauerwerk ältere zugesetzte Nischen, z. T. auch außen, wohl Fenster (ältere Fensternische sein für den Zustand vor dem 15. Jh. sowie eventuell für eine Struktur die noch vor der Phase des 14./15. Jh. liegt. Der Zwischenbau zwischen diesem Gebäude und dem inneren Torhaus hat im obersten Geschoss neben den beiden großen rundbogigen Öffnungen (19. Jh.? die geflächte Steinbearbeitung spricht gegen eine Entstehung im Mittelalter) eine Abortnische. Das Erdgeschoss des Flügels ist teilweise als Kellerraum mit Gewölben ausgebildet, bis fast in die Mitte dieses Geschosses hinein reicht teilweise der Felsen. Das Gebäude, genannt ‚Alte Turmuhr‘, wird durch einen separaten polygonalen Treppenturm mit spitzbogigem Portal und gestäbtem Gewände erschlossen. Der Westflügel zerfällt insgesamt in zwei Bauteile, den nördlichen mit den außen beobachteten gekuppelten Rundbogenfenstern und nach einer Abbruchkante den südlichen, der bis in Höhe der Oberkante des Erdgeschosses Felsen aufweist, in den der eben beschriebene Keller hineingebaut ist. Dann ein 1. Obergeschoss, stark verändert und ein 2. Obergeschoss modern, also noch kein Dach wie vorhin gesagt. Der Treppenturm saß offensichtlich im Winkel zwischen zwei Gebäuden, wobei das südliche Gebäude abgebrochen ist und heute als Terrasse dient.

Würdigung

Obwohl Sitz eines bedeutenden Adelsgeschlechts, hat die Burg Waldeck keinen einheitlichen Ausbau zu einem Renaissanceschloss erfahren, sondern eine schrittweise Anpassung an modernere Erfordernisse, durch Errichtung des Batterieturmes und Schaffung bequemerer Wohneinrichtungen. Diese zurückhaltende Erneuerung war bei vielen Bauherren weit verbreitet.

Literatur, Quellen

Staatsarchiv Marburg (Pläne).

Varnhagen, Regentengeschichte, 1825, S. 119-138 (in Google Books)

Kramm, Herber, 1932, S. 24

Ganssauge/Kramm/Medding, BKDM Eder, 1960, S. 282-294, Tf. 89-92

Dehio, Hessen, 1982, S. 876 f.