Büdingen, Oberhof

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Bezeichnung, Eigentümer, Kreis

Fürsten zu Ysenburg. Wetteraukreis.

Bauherr, Grunddaten, Zustand

1569-71, Bauherr Graf Georgs von Ysenburg-Ronneburg. Baumeister Conrad Leonhard. Nebengebäude um 1600 und 1620.

Geschichte

Der Oberhof entstand 1569-71 im Auftrag Graf Georgs von Ysenburg-Ronneburg für seine Gemahlin Barbara von Wertheim, deren Mitgift die Finanzierung des Bauvorhabens sichert. Ein Grund zur Errichtung des Wohnbaues lag in die Teilung des Büdinger Schlosses 1529 auf die beiden Hauptlinien sowie der nochmaligen Teilung der Ronneburger Hälfte unter die Brüder Georg, Wolfgang und Heinrich, so dass Georg keinen Anteil am Schloss mehr hatte, ein anderer darin, dass der Ausbau von Schloss Meerholz zur Residenz durch Einspruch der nahegelegenen Stadt Gelnhausen scheiterte. Dienen sollte das Bauwerk als gemeinsamer Wohnsitz des Bauherren und seiner Gemahlin.

Baugeschichtliche Bedeutung

Der Hof besteht aus dem Herrenhaus und einem kleineren Nebengebäude von 1620 unmittelbar an der Stadtmauer.

Das Herrenhaus wirkt wie ein kleines freistehendes Landschlösschen. Es ist ein dreigeschossiges Gebäude mit einem Treppenturm an der östlichen Traufseite, einer Auslucht an der gleichen Seiten sowie einem Erker an der Südgiebelseite. Treppenturm und Auslucht reichen mit einem Fachwerkgeschoss bis in den Dachraum hinein. Das Gebäude hat einen dreizonigen Grundriss, der Treppenturm steht vor der Mauer zwischen der mittleren und der südlichen Zone, die Auslucht befindet sich an der nördlichen. Für die Renaissance in Mittelhessen sind vor allem die Maßwerkbrüstungen an der Auslucht und am Erker typisch. Die Nordseite hat einen einfachen Volutengiebel, er hat Bogensegmente (nicht ganz viertelkreisförmig) an den zwei unteren Giebelgeschossen bzw. im obersten Geschoss eine S-Volute sowie einen Halbkreisabschluss; die Geschosse werden durch Gesimse getrennt, auf denen seitlich Kugeln sitzen. Der Südgiebel hat einen einfachen Dreiecksumriss, vermutlich durch einen Umbau. Das Bauwerk ist ein verputzter Bruchsteinbau, Reste der gemalten Einfassung der Fenster sind am Südgiebel erhalten, besonders am zweigeschossigen Erker dort. Dieser kragt auf einer profilierten Konsole ab dem 1. Obergeschoss aus und wird durch einen kleinen Fachwerkgiebel mit geschwungenen Kanten abgeschlossen.

Das Untergeschoss enthielt einen kleinen Saal in der nördlichen Zone, vergleichbar einer Hofstube, und eine Küche sowie eine Vorhalle in der mittleren Zone, schließlich zwei Kammern in der südlichen Zone. In den Erkerzimmern der beiden Obergeschosse lagen ebenfalls Säle. Das Hauptportal in die Vorhalle wird von Halbsäulen eingefasst. An den Konsolen kauern in Ketten gelegte Löwen. Über dem Gebälk befindet sich das Allianzwappen des Bauherren und seiner Gemahlin. Das Treppenturmportal ist rundbogig, ohne aufwendigere Rahmung. Es hat noch den ursprünglichen hölzernen, inschriftlich datierten, senkrecht asymmetrisch geteilten Türflügel. Wendeltreppe mit geschwungener Hohlspindel, linksläufig. Die Fenster sind mit Falz und Kehle profiliert. - Eine Inschrift nennt nicht nur den Bauherren und den Tag der Grundsteinlegung, sondern auch den Baumeister, Conrad Leonhard. Das zweite Gebäude, östlich gegenüber dem Wohnhaus direkt an der Stadtmauer gelegen, ist zweigeschossig über einem hohen Sockel (Keller) und hat mit Kehle profilierte Zwillingsfenster sowie einen rundbogigen Eingang im Hocherdgeschoss. Vor dem Obertor steht ein großer gräflicher Weinkeller, ein Bandhaus ähnlich dem Bauwerk in der Vorburg der Ronneburg, um 1600.

Würdigung

Bedeutungsvoll ist der Oberhof als Beispiel eines kleinen Adelshofes mit allen notwendigen Räumlichkeiten eines selbständigen Schlösschens und der insgesamt recht gut erhaltenen Bausubstanz bis hin zu Überresten der äußeren Bemalung. Der Bautyp eines mehrgeschossigen Hauses mit seitlichem Treppenturm ist ein Standardtyp kleinerer Adelsschlösser in Mitteldeutschland.

Literatur, Quellen

Wagner, KDM Büdingen, 1890, S. 76- 81

Dehio, Hessen, 1982, S. 116

Enders, Oberhof, 1992

Decker, Georg Graf zu Ysenburg, 1995-96, S. 82-96

Decker/Großmann, Büdingen, 1999, S. 58 f.